An der Lehmgrube

Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten
15. Mai 2024
Blick auf die Kindertagesstätte Lehmgrube in Ditzingen (Visualisierung: Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten)
Die Stadt Ditzingen beabsichtigt aufgrund der hohen Nachfrage nach Kitaplätzen mit einem Neubau einer 5-gruppigen Kindertagesstätte den erhöhten Betreuungsbedarf zu decken. Wie haben Sie die Wettbewerbsaufgabe interpretiert?

Städtebaulich. Der Neubau komplettiert die bestehende Bebauung des Grundstücks, so dass ein zusammenhängendes Gesamtensemble entsteht. Das Flachdach der Kita findet sich in den angrenzenden Wohnbauten wieder. Es wurde die bestehende Gebäudeflucht entlang der Quartierstraße berücksichtigt, und durch eine zusätzliche Flucht in Nordsüdrichtung entsteht ein visueller Bezug zum Grünraum im Norden.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die Planung des Neubaus sich nah an der vorgefundenen Situation orientiert. Um in seiner Besonderheit als öffentliche Einrichtung und Treffpunkt für Familien im Quartier wahrgenommen zu werden, wird der Zugangsbereich mit einem angemessen gestalteten Vorplatz und einem Gebäuderücksprung mit witterungsgeschütztem Haupteingang inszeniert. 

Lageplan (Zeichnung: Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten)
Wie fanden Sie zum vorgeschlagenen Gesamtbild?

Die begrenzte Fläche des Baufelds ließ nur wenig Spielraum bei der Entwicklung des Baukörpers. Das Gebäude bezieht seine architektonische Gestalt aus den gegebenen kontextuellen Parametern, der sorgfältigen und materialgerechten Verwendung des Baustoffs Holz sowie dem klaren Anspruch, einen angenehmen Lebens- und Gestaltungsraum für Kinder zu schaffen.

Struktur (Piktogramm: Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten)
Welche Bedeutung kommt der Freianlagenplanung zu?

Die architektonische Auseinandersetzung mit der Aufgabe endet nicht an der Außenkante Fassade. So sind fließende Übergänge zwischen innen und außen, eine durchdachte Nutzungsverteilung und differenzierte Außenräume auch im Freiraum von uns gewünscht. Die Auseinandersetzung mit vorhandenen Strukturen und Objekten sollten nicht als Last, sondern als Geschenk gesehen werden.

Im vorliegenden Kontext hat die Freianlagenplanung im Osten des Grundstücks großzügige und abwechslungsreiche Außenspielbereiche geschaffen. Ein vorhandener Lärmschutzwall wird in das Freiraumkonzept als Spielhügel integriert. Der Baumbestand und zusätzliche Pflanzungen sorgen für natürliche Beschattung der Spielbereiche. 

Die bewusste Platzierung von PKW-Stellplätze im südöstlichen Teil des Grundstücks, zugewandt zur Straße »An der Lehmgrube«, dient dazu, den Verkehr vom Vorplatz fernzuhalten und eine sichere sowie ruhige Zone, um den Eingangsbereich zu schaffen.

Grundriss Erdgeschoss (Zeichnung: Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten)
Wie organisieren Sie die Kindertagesstätte Lehmgrube?

Über den Windfang gelangt man in das Foyer, das sich als Atrium über zwei Geschosse erstreckt. Das Foyer, als das Herz der Einrichtung, ermöglicht vielfältige Blickbeziehungen innerhalb des Gebäudes. Der Essbereich schließt direkt an das Foyer an und bietet einen freien Blick über die angrenzende Landschaft durch die Nordfassade. Sowohl das Foyer als auch der Essbereich sind multifunktional gestaltet, um unterschiedliche Nutzungsszenarien im Laufe des Tages zu ermöglichen.

Alle Aufenthaltsräume der Kinder richten sich zum Außenbereich auf der Ostseite aus. Die Gruppenräume der Kinder unter drei Jahren liegen im Erdgeschoss. Jeder Gruppenraum verfügt über ein akustisch abtrennbares Krabbelnest sowie einen eigenen Sanitär- und Schlafbereich. Die Gruppenräume der Kinder über 3 Jahre befinden sich im Obergeschoss. Der vorgelagerte Balkon erweitert die Räume nach außen und bietet zusätzlichen Spielbereich.

Grundriss Obergeschoss (Zeichnung: Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten)
Schnitte (Zeichnungen: Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten)
Welches architektonische Thema war Ihnen besonders wichtig?

Einfachheit und Klarheit in Konstruktion und Gestaltung sind uns bei jeder neuen Aufgabe, die wir beginnnen, wichtig. Uns ist bewußt, dass die Beurteilung von Einfachheit und Klarheit vielfältig interpretiert werden kann und auch eine subjektive Komponente hat. 

Grundsätzlich gilt, dass die Auseinandersetztung mit den vielfältigen Themen unserer Zeit und den Ansprüchen der Nutzerschaft den Rahmen bilden, in dem wir uns bewegen. Eine gute Gestaltung sollte die Kriterien der Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und Gebrauchstauglichkeit selbstverständlich integrieren. Wir bewegen uns nie im luftleeren Raum, sondern müssen abwägen, priorisieren und vermitteln. Je stimmiger uns das gelingt, umso besser ist das Ergebnis.

Ansichten (Zeichnungen: Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten)
Welche Materialstratiegie schlagen Sie vor?

Der Neubau ist konsequent als Holzbau entworfen. Das Tragwerk in Holz profitiert von der klaren Geometrie des Entwurfs. Dabei legen wir Wert auf angenehme Materialeigenschaften, Klimaneutralität und Recyclierbarkeit. Die Decken sind als Hohlkastenkonstruktion geplant, die sich gut für die vorhandene Spannweiten eignet. Die hochgedämmten Außenwände sollen in Holzrahmenbau, die vorgehängte Holz-Fassade aus heimischer Weißtanne zur Ausführung kommen. Die vorgelagerte Loggia wird von Eichenstützen getragen. Insgesamt handelt es sich um eine zeitgemäße und wirtschaftliche Holzkonstruktion mit einem hohem Vorfertigungsgrad. Ziel ist darüber hinaus, bei Fügung und Bauteilaufbauten die Belange eines späteren Rückbaus und Rückführung in Stoffkreisläufe zu berücksichtigen.

Detail (Zeichnung: Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten)
Gibt es schon einen geplanten Fertigstellungstermin?

Nein. Wir hoffen aber bald mit dem Projekt starten zu dürfen. Wir werden dann gemeinsam mit den weiteren Projektbeteiligten eine sinnvolle Zeitschiene entwickeln, um die dringend benötigte Kita in Ditzingen zu realisieren. 

Modell (Foto: Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten)
Neubau der Kindertagesstätte Lehmgrube in Ditzingen
Nicht offener Wettbewerb
 
Auslobung: Stadt Ditzingen
Betreuung: kohler grohe architekten, Stuttgart
 
Jury
Prof. Jörg Aldinger, Freier Architekt BDA, Stuttgart (Vors.) | Prof. Dr. Ulrike Fischer, Architektin, Karlsruhe | Arne Rüdenauer, Freier Architekt BDA, Stuttgart | Prof. Peter Schlaier, Freier Architekt BDA, Stuttgart | Peter W. Schmidt, Freier Architekt BDA, Pforzheim/ Stuttgart | Lisa Bogner, Freie Architektin, Stuttgart (vertritt Frau Eberding) | Giorgio Bottega, Freier Architekt BDA, Stuttgart (vertritt Frau Rudolph-Cleff) | Bürgermeister Ulrich Bahmer, Stadt Ditzingen (vertritt Herrn Makurath) | Horst Kirschner | Dr. Herbert Hoffmann | Dieter Schnabel | Dr. Andreas Birkefeld, Stadt Ditzingen (vertritt Frau Sautter) | Konrad Epple, Stadt Ditzingen (vertritt Herrn Siegel)
 
1. Preis
Birk Heilmeyer und Frenzel Gesellschaft von Architekten mbH, Stuttgart | Prof. Stephan Birk, Liza Heilmeyer, Martin Frenzel
Mitarbeit: Judith Blatter, Doreen Hüther, Johan Rieß
 
2. Preis
Walter Huber Architekten, Stuttgart | Walter Huber

3. Preis
ArGe Guenther & Ruppe Architekten, Heilbronn/Stuttgart | Michael Günther, Thorsten Ruppe
Fachplanung HLS: Gent + Gent - IB Technische Gebäudeausrüstung, Karlsruhe | Alexander Gent

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