Spielhalle im Wäldchen

Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten
5. Juni 2024
Foto: Zooey Braun
Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Die Landessportschule Ruit ist eine Institution und blickt auf 75 Jahre Geschichte zurück. Auf dem Campus in Ostfildern haben zahlreiche in- und ausländische Fußballnational- und Ligamannschaften Lehrgänge absolviert. Seit einigen Jahren schon ist die Neuorganisation des Areals mit Rück-, Neu- und Umbauten in vollem Gange. Der Ersatzneubau der dringend benötigten Zweifeldspielhalle vervollständigt nun das Gebäudeensemble der beiden Sport- bzw. Fußballhallen im Nordwesten des Areals. Dieses ist von Westen und Süden von einem dichten Waldsaum begrenzt, sodass der Neubau sowohl städtebaulich als auch landschaftlich gefasst wird. 

Das Raumprogramm der Halle unterscheidet sich etwas von typischen Sporthallen. Bei einem Sportcampus mit Übernachtungsmöglichkeiten kann der Anteil an Umkleiden und Nebenräumen geringer sein, da die Lehrgangsteilnehmenden ohnehin den ganzen Tag Sportkleidung tragen. Zudem kann durch die Einbindung in den Campus das technische Ausbaukonzept einfach gehalten werden, weshalb die Halle effizient und energieschonened ausgestattet ist. Das kommt dem Entwurf zugute, der Hallenraum steht im Vordergrund. 

Foto: Zooey Braun
Foto: Zooey Braun
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?

Wir haben vor Ort ein beschauliches, schattenspendendes Wäldchen vorgefunden, das wir in die Gesamtkonzeption integriert haben. Die Setzung der neuen Spielhalle orientiert sich am Baumbestand sowie an der Körnung der Nachbarbebauung. Durch das Heranrücken an die Bestandsbauten konnten wir die alten Bäume erhalten. Die Staffelung des Gebäudevolumens schafft sanfte Übergänge. Die neue Halle wird von Osten her entlang des Wäldchens erschlossen, wodurch die Besuchenden von einer reizvollen, grünen Kulisse begrüßt werden.

Ein Einschnitt in der Kubatur weist auf den Haupteingang hin. Die neue Spielhalle interagiert mit dem Ort und schafft einen Mehrwert: Die Sportler*innen finden auf der waldzugewandten Seite Sitznischen in der Fassade, ein Rückzugsort zum Durchatmen und Regenerieren, für Besprechungen im Schatten der Bäume. 

Foto: Zooey Braun
Foto: Zooey Braun
Haben Sie den Auftrag über einen Wettbewerbsbeitrag oder direkt erteilt bekommen?

Dem Auftrag ging ein Wettbewerb voraus, den wir gemeinsam mit der ausführenden Holzbaufirma und einem Fachplanungsteam für uns entscheiden konnten. Die Zweifeldhalle wurde in einer interdisziplinären Zusammenarbeit von Planenden und Ausführenden vom Konzept bis ins Detail umgesetzt. Dies wurde durch die vom Auftraggeber gewählte Ausschreibungs- und Vergabeart ermöglicht. Durch die Beteiligung aller Fachdisziplinen und des ausführenden Holzbauunternehmens von Beginn an, konnten die Planungszeit verkürzt und typische Schnittstellenprobleme zwischen der Ausführungsplanung und der Werkstatt-/ Montageplanung vermieden werden.

Foto: Zooey Braun
Foto: Zooey Braun
Foto: Zooey Braun
Foto: Zooey Braun
Inwiefern haben Sie im Projekt die Verwendung von Naturbaustoffen und zirkulären Baustoffen angestrebt?

Das Planen und Bauen mit Holz ist für unser Büro seit der Gründung eine Selbstverständlichkeit, entsprechend sind wir im Wettbewerb angetreten. Der Auftraggeber, der Württembergischer Landessportbund (WLSB), hat sich für unser Konzept entschieden und weiß durch vorangegangene Bauten die Vorteile von Naturbaustoffen zu schätzen. 

Für den Holzbau haben wir einen wirtschaftlichen, ressourceneffizienten Ansatz gewählt, mit filigranen Stützen und Trägern aus Fichten-Brettschichtholz in einem Achsabstand von 1.25 Metern. Auf Nebenträger bzw. eine Substruktur in der Fassade konnte somit verzichtet werden. Für die Außenwände wurde die Holztafelbauweise gewählt. Die Bekleidung der Holzfassade wurde ohne chemische Zusätze vorvergraut, sodass das Holz nach der Demontage wieder in den Wertstoffkreislauf zurückgeführt werden kann. 

Foto: Zooey Braun
Foto: Zooey Braun
Beschäftigten Sie sich im Büro mit den Tendenzen des zirkulären Bauens und der sozialen Nachhaltigkeit?

Der Bausektor hat bekanntermaßen einen großen Anteil am Primärenergiebedarf, an den Treibhausgasemissionen sowie am Festmüllaufkommen. Es ist unsere Pflicht als Architekturschaffende, das so schnell als möglich zu ändern. Damit beschäftigen wir uns in der Praxis und darüber hinaus in Lehre und Forschung an der Technischen Universität München. Unser Ziel ist es KREISLAUFEFFEKTIV zu bauen! Damit sind wirkungsvolle Maßnahmen gemeint, die ein Wirtschaften in Kreisläufern fördern: Langlebigkeit und Effizienz der Konstruktion, Elementierung und Standardisierung von Bauteilen, Nutzungsflexibilität, Reversibilität der Verbindungen, digitale Dokumentation und eine integrale Planungskultur. 
Viel davon, aber längst noch nicht alles, konnten wir bei der Spielhalle im Wäldchen umsetzen.

Lageplan (Zeichnung: Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten)
Grundriss Erdgeschoss (Zeichnung: Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten)
Längsschnitt (Zeichnung: Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten)
Querschnitt (Zeichnung: Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten)
Spielhalle im Wäldchen
2023
Kirchheimer Straße 125
73760 Ostfildern
 
Nutzung
Sporthalle
 
Auftragsart
Generalunternehmer
 
Bauherrschaft
Württembergischer Landessportbund (WLSB)
 
Architektur
Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten, Stuttgart
Projektleitung: Stephan Birk, Laura Amon
Mitarbeit: Jochen Günzler, Arantxa Pinate, Shanice Merz
 
Fachplaner
Tragwerksplanung: müllerblaustein Ingenieure GmbH, Blaustein
HLS: Ingenieurbüro Scherraus, Ulm
Elektro: Ingenieurbüro Puscher, Schelklingen
Bauphysik: müllerblaustein Ingenieure GmbH, Blaustein
Brandschutz: umt Umweltingenieure GmbH, Ulm
Landschaftsarchitektur: von K GmbH Garten- und Landschaftsarchitektur, Ostfildern
 
Bauleitung 
sauer baumanagement GmbH, Schlier
 
Generalunternehmer
müllerblaustein HolzBauWerke GmbH, Blaustein
 
Hersteller
Bodenbelag: Marmoleum, Sport 83707, Forbo Flooring GmbH
Holzfassade Vorvergrauung: Lignovit Platin, Silverwood Silver, Adler Deutschland GmbH. 
Holzakustikplatten: Holzspan-Akustikplatte, naturbelassen, BER Deckensysteme GmbH  
Sonnenschutz: Raffstoren, Warema Renkhoff SE 
Wandfliesen: Ce.Si Aloe 10x10, CE.SI. Ceramica di Sirone S.R.L.
 
Bruttogeschossfläche
1.500 m²
 
Gebäudevolumen
11.100 m³
 
Gesamtkosten
k. A.
 
Fotos
Zooey Braun, Stuttgart

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