Deutschlands Zukunftsmuseum

Manuel Pestalozzi
18. September 2021
Die städtebauliche Figur des neuen Augustinerhofs wurde aus dem Maßstab der historischen Innenstadt entwickelt. (Foto: Daniel Stauch)

Am 17. September wurde das Deutsche Museum Nürnberg offiziell eröffnet. Es liegt einladend am Ufer der Pegnitz in der Altstadt und in ihm soll die Zukunft ausgestellt werden. Atelier Brückner hat die Dauerausstellung gestaltet.

„Zukunft zum Anfassen“ verspricht das Deutsche Museum Nürnberg und kündigt an, dass bei ihm die Welt von morgen wartet. Die Technikeuphorie, welche hinter diesen Bekanntgaben steckt, mutet eigenartig altbacken an. 2008 gewannen Staab Architekten aus Berlin den Wettbewerb für diese Zweigstelle des Deutschen Museums. Mit dem Baukörper ergänzen die Architekten das Altstadtgefüge westlich des Hauptmarkts von Nürnberg.

Im Museum wirkt der „Kommunikationstornado“ als Installation zahm und freundlich. (Foto: Daniel Stauch)

Atelier Brückner aus Stuttgart hat die Dauerausstellung gestaltet. Sie erstreckt sich über 2900 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Fünf farbkodierte Themenbereiche laden ein, sich der Zukunft anzunähern: „Arbeit und Alltag“, „Körper und Geist“, „System Stadt“, „System Erde“ und „Raum und Zeit“. Die Ausstellung betont das Gegenüber von Science und Fiction. Die modular aufgebauten Ausstellungselemente ordnen sich in ein sichtbares Raster im Raum ein, das Assoziationen zu virtuellen Räumen wecken soll. 

Die Ausstellungsbereiche, die sich vom ersten bis ins dritte Obergeschoss erstrecken, wirken industriell und strukturiert; Sichtbetonoberflächen, abgehängte Lichtschienen und Technikanschlüsse sorgen für ein nüchternes, eher kühles Ambiente, das durch blaue Oberflächen und Lichtquellen akzentuiert wird. Im Erdgeschoss gibt es Labore, im ersten Obergeschoss eine Roboter- und eine Zukunftswerkstatt als Tüftel-Bereich. Im dritten Obergeschoss kann eine Virtual Reality-Zeitreise angetreten werden. Sie wurde in Kooperation mit der Hochschule Köln erarbeitet.

Im Forum hängt ein Medienkubus, der mit neun LED-Screens bestückt ist. (Foto: Daniel Stauch) 

Ausgang und Ziel des Museumsrundgangs ist ein großzügiges, zweigeschossiges Forum mit Sitzstufen, das von LED-Laufbändern mit Newstickern umgeben ist. Zentral im Raum hängend, beansprucht ein kinetischer Medienkubus von 3.75 Metern Kantenlänge die Aufmerksamkeit. Er macht auf den Ausstellungbesuch neugierig. Der Kubus ist bestückt mit neun LED-Screens, die jeweils unabhängig verfahrbar und 180 Grad drehbar sind. An einem bestimmten Punkt treten sie gemeinsam nach vorne, über den Rahmen hinaus, und bilden eine geschlossene Bildfläche, die sich für Vorträge eignet.

Die Ausstellung will es Jugendlichen ermöglichen, spielerisch die Welt zwischen Wissenschaft und Fiktion zu erkunden. Gemäß den Ausstellungsmacher*innen macht sie ein Angebot an alle Sinne. Science-Fiction-Fans und Besucher*innen, die sich für die technische Lösung unserer Zukunftsfragen interessieren, sollen in diesem Museum besonders auf ihre Kosten kommen. Mehr als 150 aussagekräftige Exponate, 90 Medienstationen und zahlreiche großformatige Filmprojektionen entführen sie in eine Erlebniswelt, die der Architektur vielleicht eine eher zweitrangige Rolle zuweisen.

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