Synagogenzentrum Potsdam auf den letzten Metern

Manuel Pestalozzi
21. November 2023
Das Synagogenzentrum ist in die Bauzeile an der Schloßstraße eingepasst. (Foto: Sebastian Rost, BLB)

Was das Gebäude in der Stadt Potsdam und für die jüdische Gemeinde ausmachen wird, zeichnet sich heute deutlich ab. Diese Erkenntnis ließ sich am 20. November 2023 bei einem Augenschein vor Ort gewinnen. Das Gebäude, das auf einem siegreichen Projekt der Haberland Architekten aus dem Jahr 2008 basiert, hat eine etwas holprige Entstehungsgeschichte hinter sich. Baubeginn war 2021. Lange wurde über die Architektur gestritten. Frieden kehrte ein, als die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V. (ZWST) die Trägerschaft des vom Land Brandenburg beauftragten Baus übernahm, wie der Rundfunk Berlin-Brandenburg 2022 anlässlich des Richtfests meldete. Nun scheint Minne zu herrschen, auch das Entwurfsteam hat offenbar einen Weg gefunden, alle Beteiligten zufriedenzustellen. »Dank einer konstruktiven, vertrauensvollen und zielorientierten Zusammenarbeit der Ministerien für Finanzen und Wissenschaft, des Brandenburgischen Landesbetriebs für Liegenschaften und Bauen, des Architektenbüros Haberland, der bauausführenden Unternehmen und der ZWST befindet wir uns auf der Zielgeraden zur Fertigstellung des Synagogenzentrums Potsdam. Der lang ersehnte Wunsch der jüdischen Gemeinschaft nach einem eigenen Zentrum religiöser, kultureller und sozialer Angebote wird endlich wahr«, wird Abraham Lehrer, Präsident der ZWST, in einer Pressemitteilung des Ministeriums der Finanzen und für Europa des Landes Brandenburg zitiert.

Der Blick von der Frauenempore in den Synagogenraum deutet an, wie mit dem Tageslicht als Gestaltungselement umgegangen wird. (Foto: Sebastian Rost, BLB)

Der Neubau des vierstöckigen Synagogenzentrums Potsdam ist Bestandteil der östlichen Neubebauung zwischen Friedrich-Ebert-Straße und der Straße »Am Neuen Markt«. Er greift den historischen Stadtgrundriss in Maßstab und Kubatur auf, bedient sich aber eines eigenständigen architektonischen Vokabulars. Die Straßenfassade ist räumlich gestaffelt. Der Synagogenraum ragt einen Meter in den Straßenraum, um seine Bedeutung von außen sichtbar hervorzuheben. Das Gebäude ist eine Stahlbetonkonstruktion, als Fassadenmaterial wurde sandfarbener Ziegel gewählt. Eine Anknüpfung an die brandenburgische Ziegelbauweise und zugleich an die weltweite konfessionsübergreifende Bautradition des Sakralbaus mit Ziegeln. Neben dem Synagogenraum bietet das Zentrum auch einen multifunktionalen Veranstaltungssaal, eine Mikwe mit einem Tauchbad im Untergeschoss, die aus rituellen Gründen mit Regenwasser gespeist wird, ein Café, Jugend- und Aktivitätsräume, Büros, eine Bibliothek und ein Umkleidebereich. Auf der Dachterrasse können mit Blick auf die Silhouette des Stadtzentrums religiöse Veranstaltungen stattfinden. Frank Stolper, Brandenburgischer Staatssekretär im Ministerium der Finanzen und für Europa zeigte sich bei der Begehung optimistisch, dass der Bau im Frühjahr 2024 fertiggestellt sein wird.

Auf der Hofseite liegen das Treppenhaus und weitere »dienende« Raumeinheiten. (Foto: Anne Frey, BLB)

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