Spatenstich bei »Marschall 66« in Marl

Manuel Pestalozzi
4. März 2024
Die charakteristische Betonpergola beim Eingang der einstigen Schule wird das Kulturzentrum prägen. (Visualisierung: © Feja + Kemper Architekten)

Marl ist ein Siedlungskonglomerat, dem 1936 die Stadtrechte verliehen wurden. »Marschall 66« soll in Kooperation mit Musikschule und »insel«-VHS als neues Kulturzentrum, Skulpturenmuseum und Bibliothek ein Leuchtturmprojekt werden. Man erhofft sich neuen Schub für die Umgestaltung der Stadtmitte. Diese wurde wesentlich durch Günther Marschall (1913–1997) geprägt. Von 1953 bis Ende 1965 war der Architekt freiberuflicher Stadtplaner von Marl und realisierte verschiedene öffentliche Gebäude. Er war auch verantwortlich für den »Marler Stern«, das auf freiem Feld errichtete Stadtzentrum mit dem Rathauskomplex von Johannes Hendrik van den Broek und Jacob Bakema, Wohnhochhäusern und Einkaufszentrum.

Die 1966 fertiggestellte, mittlerweile verlassene Volksschule an der Kampstraße war das letzte Werk Marschalls für die Stadt. Sie steht rund 700 Meter nördlich vom »Marler Stern« und grenzt direkt an das Areal des einstigen Hallenbads, auf dem das mit vielen Hoffnungen verbundene Grimme-Wohnquartier entstehen soll. Marschalls kleiner Campus ist als streng orthogonal organisierte Pavillonschule angelegt, mit fünf eingeschossigen Zeilen, die mit Verbindungstrakten begrünte Höfe einfassen. Die Anlage steht unter Denkmalschutz. »Nach heutigen Anforderungen ist der Bau aufgrund seiner Struktur und Bauweise sehr viel besser für ein Museum als für ein Schulgebäude geeignet. Erst recht für das Skulpturenmuseum Marl mit seinem einzigartigen Profil«, steht in einer Broschüre, die sich für das Projekt stark macht. Die lichte Architektur mit ihren Innenhöfen biete sich für die Präsentation von Skulpturen an. Die Klassenräume der in zeittypisch-charakteristischer Betonarchitektur von Günther Marschall geplanten Schule seien von Atmosphäre und Dimensionen her ein perfekter Ort, um Videokunst zu zeigen, heißt es weiter. 

Hinter dem Kopfbau mit Bibliothek, Verwaltung und Cafe befinden sich an den Höfen das Foyer, Ausstellungräume und an den nördlichen Enden der Seitentrakte Atelierräume. (Plan: © Feja + Kemper Architekten)

Das Umwandlungsprojekt stammt vom Büro Feja + Kemper Architekten Stadtplaner Partnerschaftsgesellschaft mbB aus Recklinghausen. Der Auftrag erfolgte über ein VgV–Verfahren. Das Projekt umfasst auch eine museumseigene »Künstlerwohnung« mit Kunstatelier. Ende Februar erfolgte der Spatenstich. Die Marler Zeitung erinnerte daran, dass sich der Rat der Stadt zweimal gegen den Umbau gestemmt hatte und sich erst im dritten Anlauf eine Mehrheit für das Projekt fand. Der Hauptgrund für den Widerstand waren offenbar die Kosten. Gemäß dem Zeitungsbericht wird das Zentrum zur Hälfte von Bund und Land finanziert, die Stadt muss die restlichen elf Millionen aufbringen. Architekt Franz-Jörg Feja zeigte sich gegenüber der Marler Zeitung entschlossen und zuversichtlich, was die Verhinderung einer Kostenexplosion anbetrifft: »Wir dürfen hier an keiner Stelle übers Ziel hinausschießen, Luxus wäre fehl am Platz«, wird er zitiert. In vielen Sparrunden sei es gelungen, den Standard zu reduzieren, ohne dass man Bauchschmerzen haben müsse. Die Fertigstellung des Projekts ist nach einer Mitteilung der Stadt Marl bis Ende 2026 vorgesehen.

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