Identitätsstiftender Eingang in das Quartier

Gerber Architekten
29. November 2023
Modell (Foto: Gerber Architekten)
Für die Flächen des südöstlichen Quartierseingang soll ein architektonisches und freiraumplanerisches Konzept erarbeitet werden, das die Qualitäten vom Quartier »Homburger Hohl« verbessert. Welche Ausgangssituation haben Sie vorgefunden?

Die Siedlung Ben-Gurion-Ring ist eine geschlossene Großwohnsiedlung aus den 1970er Jahren, die nach dem Prinzip »Urbanität durch Dichte« geplant wurde. Das Quartier beherbergt knapp 5.000 Einwohner und zeichnet sich durch eine vielfältige Bevölkerungsstruktur aus. Das Wettbewerbsgebiet liegt an der Stelle, von der die Straße Homburger Hohl abzweigt, die das Gebiet an das öffentliche U-Bahnnetz anschließt. Hier, wo die bis zu neungeschossiger Wohnbebauung aufbricht, entstand eine Lücke, die bisher nur von einer typischen eingeschossigen Parkgarage aus den 1970er Jahren genutzt wurde. Genau an diesem Ort soll künftig ein identitätsstiftender Eingang in das Quartier entstehen. 

Lageplan (Zeichnung: Gerber Architekten)
Welche Vorstellung von Gemeinschaft liegt Ihrem Entwurf zugrunde?

Unser Entwurf zielt darauf ab, dem Quartierseingang am Homburger Hohl eine einladende Atmosphäre zu verleihen, das Gebiet besser mit der angrenzenden Wohnsiedlung zu vernetzen und verschiedene Wohnformen und Generationen unter einem Dach zu vereinen. Ein großzügiger und begegnungsfördernder Vorplatz soll das öffentliche Leben stärken und Menschen jeden Alters ansprechen, sowohl direkte Anwohner als auch die Nachbarschaft. Im Gebäude selbst werden vielfältige Wohnformen durch flexible Grundrissgestaltung angeboten, um ein lebendiges Miteinander zu fördern. Die Idee ist, Gemeinschaft sowohl im Innen- als auch im Außenbereich das ganze Jahr über zu ermöglichen und die Lebensqualität vor Ort zu verbessern. Die Bedürfnisse der Bewohner, die in der Bürgerbeteiligung ermittelt wurden, sollen hierbei selbstverständlich berücksichtigt werden. 

Blick auf den Quartierseingang Südost des Homburger Hohl (Visualisierung: Gerber Architekten)
Wie organisieren Sie das neue Wohngebäude?

Das Erdgeschoss und Teile des ersten Obergeschosses werden für einen öffentlichen Quartierstreff genutzt, der Sport-, Lern-, Lese-, Musik- und Werkelbereiche, ein Café und eine Fahrradwerkstatt umfasst. Die gläserne Fassade ermöglicht eine niederschwellige Partizipation und macht diese Angebote nach außen sichtbar. 

Die oberen Stockwerke bieten eine vielfältige, barrierefreie Wohnraumauswahl, die über ein zentrales Treppenhaus und Laubengänge erschlossen wird. Es gibt Ein-Zimmer Apartments, Paarwohnungen, Familienwohnungen, Wohngemeinschaften mit zwei bis vier Zimmern und Cluster für Seniorenwohnen mit fünf Zimmern. Ein Raster von 4,10 Meter ermöglicht eine flexible Grundrissgestaltung und eine Anpassung an die Bedürfnisse der Bewohner. Wohnungen nach Vorgaben des geförderten Wohnungsbaus sind ebenso möglich. 

Außenliegende Treppen in Analogie zum Laubengang fördern den Austausch zwischen Bewohnern unterschiedlicher Geschosse und machen die Laubengänge zu Begegnungsräumen. Die Stellplätze werden unterhalb des Platzes unsichtbar angelegt, um eine Ausgleichsfläche für die entfallende Parkgarage zu schaffen. Im Untergeschoss gibt es Parkplätze, Fahrradstellplätze, Mieterkeller und einen Werkraum. Das Dach ist begehbar und bietet Platz für Gewächshäuser, Sportmöglichkeiten und Sitzbereiche für alle Bewohner. 

Grundriss Erdgeschoss (Zeichnung: Gerber Architekten)
Grundriss 3. Obergeschoss (Zeichnung: Gerber Architekten)
Längsschnitt (Zeichnung: Gerber Architekten)
Welches architektonische Thema war Ihnen besonders wichtig?

Ein Hauptaugenmerk lag auf der klaren städtebaulichen Positionierung des Gebäudes. Unsere Gestaltung sollte eine hohe Flexibilität, Modularität und Klimaverträglichkeit gewährleisten, um ein langlebiges und gut umnutzbares, nachhaltiges Gebäude zu schaffen. Das Gebäude passt sich städtebaulich durch tiefere Grundrisse an die vorgefundene Bebauung an. Die kleinteilige Fassadengestaltung bricht jedoch die Großmaßstäblichkeit und Anonymität der angrenzenden Wohngebäude auf und heißt die Menschen mit einer farbenfrohen Erscheinung willkommen. 

Ein weiterer Fokus lag auf dem Umgang mit der Topografie. So entsteht ein ebenerdiger barrierefreier Platz entlang einer stark ansteigenden Straße. Ohne weiteren Aushub kann ein Parkgeschoss unterhalb des Platzes entstehen. Oberhalb können Sitztreppen, die Straßen- und Platzniveau verbindend, einer kleinen Bühne als Rang dienen. 

Ansicht West (Zeichnung: Gerber Architekten)
Gibt es schon einen geplanten Fertigstellungstermin?

Derzeit können wir noch keinen genauen Fertigstellungstermin angeben, da die Umsetzung unseres Beitrags zum Ideenwettbewerb noch aussteht. Wir hoffen jedoch auf eine schnelle Realisierung und darauf, dass der neue Baukörper nicht nur spannende Räume und schöne Wohnungen schafft, sondern auch von der gesamten Nachbarschaft als neuer Stadtbaustein akzeptiert und geschätzt wird. 

Quartierseingang Südost des Homburger Hohl, Ausschnitt (Visualisierung: Gerber Architekten)
Quartierseingang Südost, Homburger Hohl in Frankfurt am Main
Nicht offener Wettbewerb
 
Auslobung: Stadt Frankfurt am Main
Betreuung: ISR Innovative Stadt- und Raumplanung GmbH, Düsseldorf
 
Jury
Prof. Annet-Maud Joppien, Architektin, Frankfurt (Vors.) | Stephan Kuger, Nassauische Heimstätte, Frankfurt am Main | Kerstin Dirschl, Architektin, Frankfurt am Main | Prof. Dr. Constanze A. Petrow, Landschaftsarchitektin, Geisenheim | Ursula Brünner, Abteilungsleitung 61.S Stadterneuerung und Wohnungsbau, Frankfurt am Main | Nihat Eyisoy, Nassauische Heimstätte, Frankfurt am Main | Wera Eiselt, Ortsbeirat 10, Frankfurt am Main | Edeltraud Schwind-Klöckner, Beirat Sozialer Zusammenhalt Ben-Gurion-Ring, Frankfurt am Main | Katharina Wagner, Planungsdezernat Frankfurt am Main
 
1. Preis
Gerber Architekten GmbH, Dortmund | Prof. Eckhard Gerber
Mitarbeit: Benjamin Sieber, Josephine Stein, Leon Brockhoff, Thilo Rohländer, Jörn Hilker, Julian Döneke, Lech Sawicki, Sina Abbassi, Patrik Bartnik und Yana Anishchenko
Landschaftsarchitektur: Gerber Architekten GmbH, Dortmund | Prof. Eckhard Gerber
 
2. Preis
LAGERSCHWERTFEGER GmbH, Berlin | Ramona Schwertfeger, Markus Lager, Ole Saß
Mitarbeit: Sang-Do Choi, Hagen Remus, Emil Tuffner, Anna Plückbaum
SassGlässer Landschaftsarchitektur GbR, Hansestadt Werben | Berlin
Modellbau: Andreas Moling
Visualisierung: Atelier Tata
 
3. Preis
bK – buero Kleinekort, Düsseldorf | Volker Kleinekort, Rebecca Faller
Drei Eins Stadt Freiraum Architektur Berghof Baltabol Faller PartG mbB, Frankfurt am Main
Mitarbeit: Chiara Grueneberg, Sonja Becker, Oie Boeye, Jan Müller
Perspektiven: ponnle Images | Köln
Beratung: Animal Aided Design | Berlin, Prof. Dr. Thomas Hauck

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