Schulanbau mit Wohlfühlcharakter

Hrycyk Architekten
1. November 2023
Pausenhof (Foto: Sebastian Schels)
Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Das Schulgebäude befindet sich im stetigen Wachstum und wurde bereits mehrfach erweitert. Der Bestand erschließt sich von der Kepserstraße aus über die zentrale Aula, von dort verteilen sich die Wege in zwei Gebäudeflügel. Der südliche Flügel wurde ebenfalls bereits vorab um drei Klassenzimmer angebaut und durch die damals vorgenommene Eindrehung der Räume funktional eigentlich schon abgeschlossen. Auch der Pausenhof war knapp bemessen und zur Moosstraße hin tritt die Grundschule nicht in Erscheinung. Sie wird hier durch den Baumbestand abgeschirmt. 

Wir haben mit der Fragestellung begonnen, ob die erforderliche erneute Erweiterung für den Ganztagesbereich überhaupt noch möglich ist. Zusätzlich sollten die Gruppenräume für die Übergangszeit bis zum Neubau einer weiteren Schule im Stadtteil Lerchenfeld vorübergehend auch erstmal als Klassenräume nutzbar sein. Auch der direkte, barrierefreie Übergang war somit für die weitere Planung gesetzt. 

Pausenhof (Foto: Sebastian Schels)
Welche Inspiration liegt diesem Projekt zugrunde?

Die Erweiterung in Holzbauweise schließt den Pausenhof räumlich ab. Dabei wechseln wir die Haltung zur vorhandenen Erscheinung des klassischen Schulbaus mit seinen gelblich verputzten Fassaden – innen wie außen. Statt dem vertrauten Schulumfeld soll der neue Ganztagesbereich durch einen Wohlfühlcharakter geprägt sein und sich in den umgebenden Bäumen in der Außenwahrnehmung unterordnen. Der maximale Erhalt der Bestandsbäume war dabei also ebenso essentieller Planungsgrundsatz.

Beim Übergang im Obergeschoss wird der Wechsel mit Holz in allen Oberflächen unmittelbar mit allen Sinnen erlebbar. Beim Verlassen der Schule ändert sich hier auch der Bodenbelag vom Linoleum auf weißlich geölte und gebürstete Holzdielen aus Eschenholz, die ein wohnliches Empfinden statt Schulalltag auslösen sollen. Das zum Pausenhof offene Erdgeschoss beherbergt die neue Mensa mit Küche. Dort befindet sich sowohl der eigene Zugang vom oberen Ganztagesbereich sowie ein eigener Zugang vom Pausenhof. 

Angebaut / Zugang Mensa (Foto: Sebastian Schels)
Eingang Ganztag (Foto: Sebastian Schels)
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?

Der bestehende dreigeschossige Schulbau mit Satteldach ist geprägt durch seine Gliederung mit Mauerwerkspfeilern. Der letztmalige Anbau um einen Klassenraum je Geschoss schließt diesen funktional eigentlich bereits ab und orientiert die Räume hier zur Giebelseite. Seine geschlossene Längsseite zwischen zwei Pfeilern haben wir also genutzt um mit unserem erneuten Anbau dort auf eine Breite von wenigen Metern mit den unteren Geschoss schmal »hineinzuschlüpfen«. 

Mit wandartigen Fachwerkträgern verspringt das obere Geschoss nach außen, schafft so die vier neuen Klassen- bzw. Gruppenräume auf geringer Grundfläche und formuliert zugleich baukörperlich klar ablesbar den südlichen Eingang zum Neubau. Mit der dunkel pigmentierten Vorvergrauung tritt der Neubau im umgebenden Baumbestand zurück, von innen blicken die Schüler*innen von den oberen Räumen aus direkt in den Obstgarten. 

Fassade (Foto: Sebastian Schels)
Mensa (Foto: Sebastian Schels)
Treppenraum oben (Foto: Sebastian Schels)
Haben Sie den Auftrag über einen Wettbewerbsbeitrag oder direkt erteilt bekommen?

Durch bisherige Wettbewerbserfolge und realisierte Projekte für die Stadt Freising wurden wir zuerst für die Machbarkeitsstudie und anschließend auch für die Projektumsetzung direkt beauftragt. 

Durchblick Gruppenraum (Foto: Sebastian Schels)
Fassade Gruppenraum (Foto: Sebastian Schels)
Im Apfelgarten (Foto: Sebastian Schels)
Inwiefern haben Sie im Projekt die Verwendung von Naturbaustoffen und zirkulären Baustoffen angestrebt?

Unser Anspruch liegt bei jedem Projekt in einem möglichst hohem Einsatz des konstruktiven Baumaterials Holz. Deshalb wurden wir von Bauherrenseite auch bewusst für dieses Projekt ausgewählt. Aber nicht nur die Tragkonstruktion, auch die Fassade sowie alle Innenräume sind geprägt vom Einsatz der natürlichen Baustoffe. 

Lageplan (Zeichnung: Hrycyk Architekten)
Grundriss Erdgeschoss (Zeichnung: Hrycyk Architekten)
Grundriss Obergeschoss (Zeichnung: Hrycyk Architekten)
Schnitt (Zeichnung: Hrycyk Architekten)
Erweiterung Grundschule St. Lantbert Freising 
2022
Kepserstraße 4
85356 Freising

Auftragsart
Direktauftrag 
 
Bauherrschaft
Stadt Freising 
 
Architektur
Hrycyk Architekten, München | Sebastian Hrycyk
Mitarbeit: Torsten Wollny, José Pérez, Sun Park 
 
Fachplaner
Landschaftsarchitektur: Gehrhardt Landschaft, München
Tragwerksplanung: Brandl + Eltschig, Freising 
Brandschutz: Ingenieurbüro Schwab GmbH, Traunstein
HLS-Planung: Ingenieurbüro Rudolf Goderbauer, Landshut
Elektro-Planung: R. Wieder GmbH, Erding 
Küchenplanung: Tarnofsky & Kirmeier GmbH, Neuburg am Inn
Bauphysik: IFB Ingenieure GmbH, Bad Reinach-Zavelstein 
Geotechnik: Dibauco, Erding

Ausführende Firmen
Betonarbeiten: Fa. Anton Aumer GmbH, Roding
Zimmerer- & Fassadenarbeiten: Fa. Frenerhaus GmbH, Brixen (Italien)
Fenster &Außentüren: Fa. HAMA Alu+Holzbauwerk GmbH, Rottenburg 
Abdichtung & Spenglerarbeiten: Fa. Bauer Bedachungen GmbH & Co KG, Freising 
Terrazzo: Fa. Terrazzo-Beton GmbH, Hammelburg 
Estrich & Bodenbelag: Fa. Brandl Innenausbau GmbH, Kehlheim 
Innenausbau: Fa. Obermeyer & Schmitz GmbH, Hemau 
Innentüren: Fa. Schreinerei Oßner, Adlkofen
Einbaumöbel: Fa. Schreinerei Cako GbR, Niederneuching 
Schlosserarbeiten: Fa. Schreinerei Oßner, Adlkofen 
Malerarbeiten: Fa. Josef Hack Malerbetrieb, Freising 
Lüftungsarbeiten: Fa. Feistl GmbH&Co.KG, Essenbach
Heizungsarbeiten: Fa. Kronseder Haustechnik, Dorfen
Elektroarbeiten: Fa. Bauer Elektroanlagen GmbH, Landshut
Sanitärarbeiten: Fa. Pongratz Haustechnik e.K., Hohenwarth
Küchentechnische Anlagen: Fa. Lehner Großküchentechnik, Winhöring
 
Hersteller
Holzfassade: Fa. Lignaprotect
Holzfaser-Unterdecke: Heradesign, Fa. Knauf 
 
Bruttogeschossfläche
760 m²
 
Gesamtkosten
4.300.000 €
 
Fotos
Sebastian Schels, München

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