Hölzernes Esszimmer

Lanz · Schwager Architekten
22. November 2023
Die Schulerweiterung in Holz als nachhaltige und zukunftstaugliche Bauweise (Foto: Barbara Schwager)
Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Das Grundstück befindet sich in der Innenstadt zwischen benachbarten Wohngebäuden. Das Bestandsgebäude stand entlang der Grundstücksgrenze auf der historischen Zwingermauer.

Welche Inspiration liegt diesem Projekt zugrunde?

Das »Esszimmer« (wie wir es nennen) bildet – in Analogie zum traditionellen Wohnhaus – das Zentrum des neuen Ganztages-Hauses. Es ist in verschiedene Bereiche zoniert, lässt sich zum Betreuungsraum erweitern und öffnet sich im Knickpunkt des Gebäudes auch ins Obergeschoss. 

Vom zweigeschossigen Bereich aus können die Kinder fast alle Räume des Hauses wahrnehmen – eine räumliche Konzeption, die Sicherheit und Geborgenheit vermitteln soll.
Die Ganztages-Koordination wird oberhalb des Esszimmers angeordnet und ist über den Luftraum in das Geschehen des ganzen Hauses eingebunden. 

Gesamtansicht von Südosten (Foto: Barbara Schwager)
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?

Die Setzung des neuen Bauvolumens erfolgt auf dem »Fußabdruck« des vorhandenen Kindergartens und nutzt dessen betoniertes Untergeschoss als Gründung. Aus ökologischen Gründen wurde das Untergeschoss erhalten und lediglich um ein Treppenhaus ergänzt; die Holzbaukonstruktion ist an die Geometrie des Untergeschosses angepasst.

Ansicht von Süden (Foto: Barbara Schwager)
Foto: Barbara Schwager
Haben Sie den Auftrag über einen Wettbewerbsbeitrag oder direkt erteilt bekommen?

Um in Abstimmung mit dem Amt für Bildung, Betreuung und Sport sowie der Schulleitung einen möglichst optimalen Entwurf für die Erweiterung der Braith-Grundschule zu erhalten, wurde eine nicht anonyme Mehrfachbeauftragung als nicht offenes Verfahren mit vier Architekturbüros durchgeführt.

Eine Zwischenpräsentation ermöglichte einen intensiven Austausch und eine fachliche Beurteilung der Entwurfsarbeiten. Eine erste Rückmeldung erfolgte unmittelbar nach der Jurysitzung. 

Zentraler Luftraum »Esszimmer« (Foto: Barbara Schwager)
Garderobe Hort mit Blick in den Betreuungs- und Luftraum (Foto: Barbara Schwager)
Welche besonderen Anforderungen wurden gestellt? Wie haben Sie diesen im Projekt Rechnung getragen?

Im Wettbewerbsbeitrag schlugen wir einen kompletten Holzbau als nachhaltige, zukunftstaugliche Bauweise vor. Die Bauherrschaft hat diesen Vorschlag direkt unterstützt. 

Auf der Kellergeschossdecke wurde eine aufseitige Wärmedämmung vorgesehen. Daraus ergab sich, dass lediglich der Holzbau und das neue Treppenhaus im Untergeschoss eine thermische Hülle erhalten haben und das Gebäude einen sehr guten energetischen Standard erreicht hat. 

Das Gebäude wurde nach dem Standard des Nachhaltigen Bauen Baden-Württemberg (N!BBW) zertifiziert. Dies bedeutet, dass die ausgewählten Baustoffe umfangreich dokumentiert wurden. So wurden die Außenwände zum Beispiel mit einer natürlichen Zellulosedämmung ausgeflockt. Für die äußere Schalung haben wir auf unbehandelte Lärchenholzlamellen, die ohne Biozide und Pestizide natürlich vergrauen, zurückgegriffen.  

Darüber hinaus wurde alles in größtenteils unbehandeltem Holz ausgeführt: die tragenden Wände als Ständerwerk, Geschossdecke und Dach mit Brettsperrholzelementen. Als Beplankung kamen Weißtanne oder konventionelle Gipsfaserplatten zum Einsatz. Die großflächigen Verglasungen wurden mit Aufsatzprofilen direkt auf den Holzrohbau montiert.

Betreuungsraum (Foto: Barbara Schwager)
Gruppenraum Hort (Foto: Barbara Schwager)
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren Nutzer*innen den Entwurf beeinflusst?

Sowohl die Bauherrschaft als auch die künftigen Nutzer von Hort und Schule wurden direkt mit in den Planungsprozess integriert. Der finale Wettbewerbsentwurf war aber relativ klar und stieß direkt auf große Zustimmung. Es gab lediglich kleinere Anpassungen in den Oberflächen und der Einsehbarkeit von privateren Räumen. 

Die Innenausstattung wie zum Beispiel Einbaumöbel wurden in enger Abstimmung mit den Nutzern entwickelt. So erhielt jeder Raum ein der Nutzung entsprechendes Möbel. 

Wie hat sich das Projekt vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk verändert?

Wenn man die Perspektive vom Wettbewerb anschaut, steht das Gebäude fast 1:1 da. 

Lageplan: Lanz · Schwager Architekten
Grundriss Erdgeschoss: Lanz · Schwager Architekten
Grundriss Obergeschoss: Lanz · Schwager Architekten
Erweiterungsbau Braith-Grundschule Biberach a.d. Riß
2022
Braithweg 14
88400 Biberach an der Riß
 
Nutzung
Schule inklusive Hort, Betreuungsräume, Mensa und Bibliothek
 
Auftragsart
Mehrfachbeauftragung
 
Bauherrschaft
Stadt Biberach
 
Architektur
Lanz · Schwager Architekten BDA PartGmbB, Konstanz
Sebastian Eppler 
 
Fachplaner
Baugrund und Schadstoffe: Henke und Partner GmbH, Biberach
Tragwerksplanung: merz kley partner, Dornbirn (A)
HLS-Planung: Ing. Büro Dieter Fischer, Biberach
Elektroplanung: Neher Butz +, Konstanz
Küchenplanung: GHL Ing. GmbH, Bad Schussenried
Bauphysik: GSA Körner GmbH, Konstanz 
Brandschutz: mhd Brandschutz, Konstanz
Außenanlagen: 365° freiraum + umwelt, Überlingen
 
Bauleitung
Lanz · Schwager Architekten BDA PartGmbB, Konstanz mit Ingenieurbüro Schnell, Bad Saulgau 
 
Ausführende Firmen
Holzbauarbeiten: Schilde Dachbau GmbH, Ulm
Verglasungsarbeiten: R. Stocker Fensterbau GmbH, Uttenweiler
Dachabdichtungsarbeiten: J.Schwarz GmbH, Mengen
Trockenbauarbeiten: Bochtler Innenausbau GmbH, Winterstettendorf
Fliesenarbeiten: Peter Sterk, Sigmaringen
Estricharbeiten: Modern Estrich Bau GmbH, Merzig 
Tischlerarbeiten: Schreinerei Bucher GmbH & Co.KG, Owingen
Malerarbeiten: Maler Schuster GmbH, Biberach
Mobile Trennwände: Karl Günther GmbH & Co. Glatten
 
Bruttogeschossfläche
1.317 m²
 
Gebäudevolumen
4.255 m³
 
Gesamtkosten
4.500.000 €
 
Auszeichnung
BDA Hugo-Häring-Auszeichnung 2023 Ulm-Donau-Iller
 
Fotos
Barbara Schwager, Konstanz

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