Als Skulptur entwickelt

RKW Architektur +
8. Mai 2024
Neues Debeka Ensemble als quartiersprägendes Band zur Mosel. (Foto: Ansgar M. van Treeck)
Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Ein Hochhaus tritt normalerweise als klassischer Solitär auf, exponiert und auf sich selbst bezogen. Das Hochhaus der neuen Debeka Hauptverwaltung bildet jedoch zusammen mit dem Bestandsturm ein Hochhauspaar, das mit einer Brücke verbunden ist.
Statt größtmöglicher Repräsentanz stehen hier vielfältige räumliche Qualitäten für das große Leistungspotential der Debeka Gruppe mit idealen Arbeitsbedingungen zur Verfügung, die das Für- und Miteinander fördern. Diesen Place-to-be, als lebendigen Debeka Campus, haben wir ganzheitlich von der städtebaulich, grünplanerischen Idee bis zur Innenarchitektur und dem Entwurf eines großen Teppichunikats als Generalplaner realisieren dürfen.

Die neue Hauptverwaltung mit Campus, Debeka Platz, Eingangshalle und Brücke. (Foto: Ansgar M. van Treeck)
Das große Auge fasst die Sichtachse von Campusbrücke und Bestandshochhäusern ein. (Foto: Ansgar M. van Treeck)
Welche Inspiration liegt diesem Projekt zugrunde?

Inspiration für die Form ist ein Gebäude als Bauskulptur wie aus einem quadratischen Block geschnitten, abgeleitet aus der Quadratform des Bestandsturms. Ein großer Einschnitt nach Süden stellt den neuen Debeka-Platz mit der Eingangshalle frei, die stufenförmig mit der Campusbrücke verbunden ist. Hier, im kommunikativen Herz als baulicher Haupterschließung von bestehendem und neuem Hochhaus, wird die Gebäudeform durch einen zeichenhaften Einschnitt weiter markant akzentuiert.
Wie durch ein großes Auge werden auch die gegenüberliegenden Hochhäuser visuell über das Band der Brücke als Ensemble zusammengeführt. So in Zusammenhang gesetzt entsteht eine neue Gestaltqualität im Stadtteil über den Campus hinaus.

Eingangshalle mit Empfang, Kundenberatungshaus und Aufgang zur Brücke. (Foto: Ansgar M. van Treeck)
Lounge, Empfang, Saalfoyer mit eingelegtem Debeka Teppich, Entwurf RKW Architektur +. (Foto: Ansgar M. van Treeck)
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?

Das große Potenzial des Entwurfs, um einen anziehenden öffentlichen Ort zu schaffen, ist das vielschichtige Raumprogramm der Debeka. So gibt es als Ergänzung der 1350 neuen Arbeitsplätze, die Platz für 1800 Mitarbeitende in modernen Arbeitswelten bieten, die Eingangshalle mit Kundenberatungszentrum, eine Medienlounge, ein Saal für 800 Personen, einen Kindergarten mit Außenspielflächen, ein Betriebsrestaurant mit Barista-Bar und begrünten Außenterrassen sowie den informellen Treffpunkt Campusbrücke. 

Die aus dieser Nutzungsvielfalt resultierenden Raumfolgen sind als fein abgestimmte fließende Übergänge zwischen innen und außen gestaltet, die immer wieder zu neuen belebten Orten führen, wie in einer kleinen Stadt. Diese Offenheit und Kommunikation fördernde Leitidee des Entwurfs wertet den öffentlichen Raum mit einer neuen Aufenthaltsqualität auf.

Blick vom Brückenaufgang 2. Obergeschoss in die Halle, in das Betriebsrestaurant und die Cafeteria mit Außenterrassen. (Foto: Ansgar M. van Treeck)
Haben Sie den Auftrag über einen Wettbewerbsbeitrag oder direkt erteilt bekommen?

Die Beauftragung resultierte aus einem eingeladenen Realisierungswettbewerb mit einem Ausscheidungsverfahren über zwei Phasen. In dem prominent besetzten Wettbewerb erzielten wir mit einem klaren ersten Preis große Zustimmung. Die Jury, die Bauherren und die Stadt einigten sich darauf, den Entwurf ohne wesentliche Änderungen zu realisieren.

Nach unserer Zusage als Generalplaner wurden wir für alle Leistungsphasen beauftragt. Das fertige Projekt hat einer unruhigen Realisierungszeit über zwei Konjunkturphasen und der Corona Pandemie standgehalten und ist nahezu identisch den Wettbewerbsplänen gebaut worden.

Oberlicht vor der Liftlobby: fließender Raum auch in der Vertikalen (Foto: Ansgar M. van Treeck)
Welche Überlegungen stecken hinter den Entscheidungen für die eingesetzten Materialien?

Das Thema des Farb,- und Materialkonzeptes ist die Stärkung von Kontrasten zwischen den naturnahen Sockelgeschossen und den lichten Turmgeschossen. Die öffentlichen und halböffentlichen Bereiche von Eingangshalle, Saal, Campusbrücke und Betriebsrestaurant haben eine maximale Kontaktfläche zu den Grünterrassen und dem baumbestandenen Eingangsplatz. Durch natürliche warme Materialien fließen Außen,- und Innenräume ineinander. 

Die baumartigen Sichtbetonstützen setzen das Motiv der Campusbäume fort. Die Basis der Baumstützen ist ein gebänderter Travertinboden, der in farblich abgestimmte sägerau geschalte Wände übergeht. Besondere Aufenthaltsbereiche, mit einem Holzdielenboden aus gedämpfter Eiche, erhöhen die Behaglichkeit. In den Obergeschossen der Büroetagen bildet das filigrane Linienspiel der weißen Fassadenlisenen, der Wände und Akustikdecken einen technischen Kontrast der Materialien, die in ihrer abstrakt weißen Grundfarbigkeit die Arbeitsatmosphäre durch Ruhe und Helligkeit prägen. In der Empfangslounge wird die Farbigkeit der weiß-blau schimmernden Turmgeschosse und erdfarbenen Sockelgeschosse in einem besonderen für das Haus entworfenen Objekt gemischt. Der große Debeka-Teppich ist Essenz und Sinnbild unseres Entwurfs, der zusammenführt.

Der Städtebau: Ensemble mit Wirkung. Die Hochhausachse als Großensemble des Stadtteils wird durch das neue Hochhaus deutlich gestärkt. (Zeichnung: RKW Architektur +)
Der Z-förmige Baukörper des Neubaus vermittelt in Form und Lage zwischen den Bestandshochhäusern und verdichtet das ganze Ensemble zur Mosel hin. (Zeichnung: RKW Architektur +)
Grundriss Erdgeschoss Campus, Neubau und Bestand mit Freiraumplanung (Zeichnung: RKW Architektur +)
Grundriss Regelgeschoss (Zeichnung: RKW Architektur +)
Eingangshalle mit Aufgang – Campusbrücke und Anschluss Bestandsfoyer (Zeichnung: RKW Architektur +)
Die Form der neuen Debeka Hauptverwaltung ist bildhauerisch aus einem quadratischen Block entwickelt worden und führt so das plastische Thema des Bestandsturmes fort. (Entwurfsskizze Formfindung: RKW Architektur +)
Anziehende Gegensätze – Inspiration für die neue Fassade war der Kontext des Debeka Bestandsgebäudes mit seiner Umgebung, der in einem Kontrast aus horizontaler und vertikaler Gestaltung mündet. So wirkt das neue Ensemble wie ein Gegensatzpaar, was sich unweigerlich anzieht. Der vertikale Vorhang des Neubaus aus weißen Lisenen gliedert sich in vier nach obenaufsteigende Schichten, die die wichtigen Debeka Bereiche markieren.: die Eingangsebene, die Brückenebene, die Torgeschosse und die Turmgeschosse der Büroetagen. (Entwurfsskizze – Fassadengestaltung: RKW Architektur +)
Neubau Debeka Hauptverwaltung Koblenz
2023
Debeka-Platz 2
56073 Koblenz
 
Nutzung
Bürocampus
 
Auftragsart
Generalplanung
 
Bauherrschaft
Aachener Grundvermögen, Kapitalverwaltungsgesellschaft mbH, Köln
 
Architektur
RKW Architektur +, Rhode Kellermann Wawrowsky GmbH, Düsseldorf Gesamtverantwortlicher Gesellschafter: Joachim Hein
Assoziierter Partner, Entwurf: Daniel Kas
Assoziierter Partner, Generalplanung: Dirk Völkering
Mitarbeit: Marcin Frackowiak, Anja Windgassen, Saeed Alahdab, Thomas Fiebiger, Tobias Liers, Esther Lürbke, Detlef Redeligx, Patrick Röhs, Marius Schreilechner, Martina Schwanen, Beate Risse, Meike Tunnissen, Daniel Neustadt, Pamela Hoorn, Kristina Seidler, Eva Kleophas, Hannah Schmitz
 
Fachplaner
Grünplanung: Ziegler Grünkonzepte, Düsseldorf
Tragwerk: R&P Ruffert Ingenieurgesellschaft mbH, Düsseldorf
Brandschutz: Görtzen Stolbrink & Partner mbH, Kalkar
Fassade: Arup Deutschland GmbH, Berlin
TGA: Intecplan GmbH, Düsseldorf
Bauphysik Wärmeschutz: Ingenieurbüro P. Jung GmbH, Köln
Bauphysik Schallschutz: ISWR Klaptor, Düsseldorf
Lichtplanung: Rheinlicht, Düsseldorf
 
Bruttogeschossfläche
55.231 m² 
 
Gebäudevolumen
220.188 m
 
Gesamtkosten
k.A.
 
Fotos
Ansgar M. van Treeck

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