Falten gegen die Not

Martina Metzner
23. Juni 2021
In nur 60 Minuten aufgebaut dank Faltentechnik und Monomaterial: Flüchtlingsnotunterkunft zeltHAUS. (Rendering: zeltHAUS)

Ein Team von Hochschulabsolventen aus Frankfurt am Main bietet mit dem faltbaren zeltHAUS eine leicht zu transportierende und schnell aufbaubare Flüchtlingsnotunterkunft an.

Seit der Flüchtlingskrise 2015/2016, die u.a. durch den Bürgerkrieg in Syrien ausgelöst wurde, reißen die Nachrichten um menschenunwürdige Lebensumstände in Flüchtlingslagern nicht ab. Die Idee von den Hochschulabsolvent*innen Fabian Hegner, Marius Mersinger, Michelle Gallinari und Jonas Eiden ist daher, Menschen eine sichere und halbwegs gute Notunterkunft zu bieten, die leicht zu transportieren und schnell aufzubauen ist. Das Team, das Kompetenzen aus Design und Architektur vereint, hatte ein Flüchtlingslager in Idomeni in Nordgriechenland besucht – danach ist das Projekt maßgeblich unter Prof. Claudia Lüling an der Frankfurt University of Applied Science (FUAS) entstanden. Nun hat sich daraus ein Start-up entwickelt; die Macher wollen das zeltHAUS nun tatsächlich in Krisengebiete bringen. Dazu stehen sie bereits mit Organisationen in Verbindung.

Die Mittelfalten der Einzelmodule geben der Konstruktion die Stabilität. (Rendering: zeltHAUS)

Einem Bastelbogen ähnlich wird das zeltHAUS aus PET-Platten zusammengefaltet, die gleichzeitig tragen und dämmen. Jedes Einzelmodul verfügt über eine Mittelfalte, die die Tragachse bilden. An Traufe und First werden die Platten per integriertem Klettverschluss zusammengeführt. Um die Gesamtstabilität sowie auch den Regenschutz zu gewährleisten, wird abschließend eine Plane über das zeltHAUS gespannt, die dann im Boden verankert ist. Zusätzlich wird auch die Konstruktion im Boden verankert. 
Das Material stammt aus recycelten PET-Flocken, die dafür aufgeschäumt werden. Im Anschluss werden die Platten mit einem Textil-Gelege überzogen, das ebenso aus recyceltem PET besteht. Das von dem belgischen Dämmstoff-Produzenten Armacell hergestellte Monomaterial kann wieder recycelt werden. Allerdings ist das Recylingkonzept noch nicht finalisiert.

Die Einzelmodule lassen sich beliebig erweitern. (Skizze: zeltHAUS)

Das zeltHAUS-Standardmodul ist 18.8 m² groß bei 3.50 m. Höhe, hat ein Vordach und einen Windfang. Dank dem modularen Aufbau lässt es sich beliebig erweitern. Zusammengeklappt kommt jedes Einzelmodul als Paket auf ein Format von 2,2 m x 2,4 m, bei einem Gewicht von 12,54 kg pro m². Es lässt sich in 60 Minuten aufbauen, was deutlich unter dem Wert von Mitbewerbern liegt. Die Wärmedämmung wird mit 0,035 W(/mK) angegeben, die Brandschutzklasse mit B1.

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