Als Teil des Quartiers

LRO Lederer Ragnarsdóttir Oei
28. Februar 2024
Mit hellem Ziegelgewand und einer den benachbarten Wohnbauten abgenommenen Fassadeneinteilung fügt sich die neue Zentrale der Sparkasse Markgräflerland in ihre Umgebung ein. (Foto: Roland Halbe)
Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Das neue Verwaltungsgebäude für die Sparkasse Markgräflerland muss den Spagat hinbekommen, mitten in einem reinen Wohngebiet »verträglich« aufzutreten und gleichzeitig dem repräsentativen Anspruch eines zentralen Unternehmenssitzes zu genügen. 

Schräg gestellte Wände ergeben eine Willkommensgeste am Haupteingang. Die verspiegelte Untersicht erweitert den Raum optisch nach oben. (Foto: Roland Halbe)
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?

In der benachbarten Wohnbebauung findet sich Maße, die wir aufgenommen haben. Sie führten uns zu einem Fassadenraster von 4,05 Metern Breite und zu rechteckigen Fensterformaten, mit denen wir Bezug zu Maßstäblichkeit und Rhythmus der Umgebung nehmen. So wird die Einbindung trotz abweichender Volumina möglich. Zudem fügt sich das »Grid« aus hellen Ziegelsteinen, mit dem wir das Bauvolumen umhüllt haben, in das Umfeld mit seinen vorwiegend weißen Fassaden ein.

Weiterhin gibt es vor Ort einen parkartigen Grünzug entlang der östlich anschließenden Wohnbebauung. Durch das Zurückweichen des Erdgeschosses nimmt unser Haus die Gebäudeflucht auf und führt den Freiraum somit weiter. Die drei Obergeschosse kragen um zwei Achsen über den entstandenen Platz aus und nutzen dabei die maximal zulässige Geschossigkeit. Die Sparkasse erhält somit ein großzügiges, teilüberdachtes Vorfeld, das öffentlich genutzt werden kann. Von hier aus sind Foyer, Mitarbeitercafé und die halböffentlichen Bereiche direkt erschlossen.

Wünschenswert bleibt die Weiterführung des Grünstreifens über die benachbarte Haupterschließungsstraße hinweg und als Vision für die Zukunft die Fortführung der Gartenstadt bis vor zum Rathausplatz.

Foyer und Veranstaltungssaal: Holzoberflächen sorgen für eine angenehme Atmosphäre. (Foto: Roland Halbe)
Reduzierter Farbkanon im Mitarbeitercafé – dennoch informeller Rahmen für entspannte Begegnungen (Foto: Roland Halbe)
Auf welche Art wurde der Auftrag erteilt?

Im eingeladenen Wettbewerb 2018 rangierte unser Entwurf von Anfang an auf dem ersten Platz. Die Jury erkannte unsere Haltung an, dass städtebauliche Entscheidungen längerfristig wirken als architektonische, und lobte die Stärkung der Potenziale der vorgefundenen Situation wie auch das Weiterdenken des Grünzugs mit den beiden benachbarten Kirchen als jeweilige Endpunkte. Auch die gelungene Balance zwischen angemessen zurückhaltendem und dennoch selbstbewusstem Auftritt der Sparkasse wurde hervorgehoben.

Eleganter Aufstieg: Die Haupttreppe folgt im Grundriss der Form einer Ellipse. (Foto: Roland Halbe)
Wie hat sich das Projekt vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk verändert?

Im Grunde sieht das Gebäude jetzt so aus wie bereits in den Wettbewerbsplänen gezeichnet. Die damaligen Überlegungen haben sich als passend, praktikabel und richtig erwiesen.

Um die Auskragung statisch und vor allem wirtschaftlich im Rahmen zu halten, haben wir uns eine Lösung mit schräg gestellten Wänden im Erdgeschoss überlegt, die von der geraden Fassade im Wettbewerbsentwurf abweicht, nun aber den Vorteil einer willkommen heißenden Empfangsgeste bietet und elegant in das elliptische Haupttreppenhaus überleitet.

Da die Planung mitten in die Corona-Zeit fiel, fand ein Umdenken statt, weg von klaren Abteilungsstrukturen mit jeweils unterschiedlichen räumlichen Anforderungen, hin zu flexiblen Raumstrukturen – die Stichworte dazu: Home-Office, Desk-Sharing, »New Work«. Das Gros der Flächen auf den drei Bürogeschossen ist deshalb als Großraumbüro konzipiert, komplett stützenfrei und somit mit gleichwertigen Arbeitsplätzen frei bespielbar. Durch Wollfilz-Vorhänge lassen sich darin einzelne Kompartimente abtrennen. Dazu treten Räume, die die Funktionen Besprechung und konzentriertes Arbeiten gebündelt aufnehmen. Die Unterbringung von Veranstaltungssaal, Cafeteria und Seminarbereich im Erdgeschoss war vom Bauherrn detailliert vorgegeben.

Die Großraumbüros lassen sich durch Wollfilz-Vorhänge unterteilen. Ein vorgegebenes Set an verschiedenen Möbeln garantiert die Einheitlichkeit der Ausstattung über längere Zeiträume hinweg. (Foto: Roland Halbe)
Ausblick, Holzoberflächen, Teppichboden und ausgewählte Farbakzente erzeugen gemeinsam ein gleichermaßen sachliches wie wohltuendes Arbeitsumfeld. (Foto: Roland Halbe)
Welche besonderen Anforderungen wurden gestellt? Wie haben Sie diesen im Projekt Rechnung getragen?

Zum Prinzip des Entwurfs gehört die Flexibilität der gesamten Gebäudestruktur: Bei Bedarf lassen sich bis zu acht separate, von unterschiedlichen Mietern belegbare Nutzungseinheiten bilden. Somit kann das Haus in Zukunft lange genutzt werden, auch wenn sich Zusammensetzung und Bedürfnisse der Nutzer ändern. Denn als nachhaltig verstehen wir in erster Linie dauerhafte, robuste, leicht zu reparierende und nicht zuletzt schöne Häuser. Wichtig ist dabei die zeitlose Gestaltung mit Materialien, die ihre angenehme Anmutung über lange Zeiträume hinweg behalten. Die Sparkasse bestätigt, dass die neue Arbeitswelt begeistert von den Mitarbeitenden angenommen wurde.

Die Explizit eingeforderte Energieeffizienz erreichen wir durch das günstige A/V-Verhältnis des kompakten Baukörpers, durch die thermische Aktivierung massiver Bauteile (Nahwärmenutzung), Tageslichtnutzung, effiziente und stark minimierte Lüftungstechnik und nicht zuletzt eine PV-Anlage mit rund 80 kWp, die Überschüsse erzeugt.

Lageplan (Zeichnung: LRO)
Grundriss Erdgeschoss (Zeichnung: LRO)
Grundriss 1. und 2. Obergeschoss (Zeichnung: LRO)
Grundriss 3. Obergeschoss (Zeichnung: LRO)
Schnitt (Zeichnung: LRO)
Ansicht Süd (Zeichnung: LRO)
Ansicht Ost (Zeichnung: LRO)
Sparkassen-Zentrale in Weil am Rhein
2023
Am Messeplatz 1
79576 Weil am Rhein

Auftragsart
Mehrfachbeauftragung/Einladungswettbewerb
 
Bauherrschaft
Sparkasse Markgräflerland, Müllheim/Weil am Rhei
 
Architektur
LRO Lederer Ragnarsdóttir Oei GmbH & Co. KG, Stuttgart
Marc Oei, Katja Pütter, Heiko Müller, Klaus Hildenbrand, Arno Lederer, Jórunn Ragnarsdóttir, Alexander Hochstraßer (Projektltg.), Simone Neuhold (Bauleitung), Sophia Hannekum, Sonja Malm, Philipp Kraus, Daniel Steinhübl, Frank Bohnet
 
Fachplaner
Tragwerksplanung: Autenrieth Ingenieure, Weil am Rhein
Prüfstatik:  SLP Ingenieurbüro für Tragwerksplanung, Karlsruhe
Haustechnik: Minarik Ingenieure, Müllheim
Elektroplanung: Planungsgruppe Burgert, Schallstadt
Bauphysik: Gerlinger + Merkle, Schorndorf
Freianlagenplanung: LRO GmbH & Co. KG mit Helmut Hornstein, Überlingen 
Baugrundgutachter: Geotechnisches Institut GmbH, Weil am Rhein
Brandschutzgutachter: Ingenieurbüro Waldvogel, Lörrach
Vermessungstechnik: Vermessungsbüro Weber, Müllheim
SiGeKo: Dekra GmbH, Freiburg
Ausstattungsplanung: LRO GmbH & Co. KG, Stuttgart
 
Ausführende Firmen
Rohbau: Moser GmbH & Co. KG, Merzhausen
Dachabdichtung: Vaso, Kappeln-Grafenhausen
Fensterbau: Seufert-Niklaus, Bastheim
Hohlraumboden / Estrich: Bozic, Esslingen
Trockenbau- / Putzarbeiten: Gashi Gipsergeschäft, Steinen
 
Hersteller
Fassade: Verblender »farina« – Ziegelei Hebrok, Natrup-Hagen
Bodenbelag: Bahnenware, Perlon Rips LCS Plain– Anker Gebr. Schoeller GmbH + Co. KG, Düren
Putz/Wandbeschichtung innen/außen: Innenhof WDVS – Sto SE & Co. KGaA, Stühlingen, www.sto.de
Anstrich: Brillux, Münster
Rollladen/Jalousien/Sonnenschutz: Ausstellmarkisen – Kästli & Co AG, Belp
Deckensysteme, Akustikdecken: Holzlamellen (Akustikpaneele aus Massivholz) – Laudescher, Carentan-les-Marais
Plattendecken Sanitärbereich: Knauf Gips, Iphofen
Tiefgarage: Holzwolle-Platte, Tektalan – Knauf Insulation GmbH, Simbach am Inn
Beleuchtung: Stehleuchten »Luceo Slim«, Langfeldleuchten (Holzlamellen) – Trilux, Arnsberg ´
Leuchten Saal: Viabizzuno S.p.A., Bentivoglio
Leuchten Flure, Treppenhaus, Nassbereiche, UG, Poller – BEGA Gantenbrink-Leuchten KG, Menden
Spiegelleuchte Windfang: mawa design, Michendorf
Leuchten Cafeteria: Pendelleuchte »Keglen«, Louis Poulsen Germany GmbH, Düsseldorf
Möblierung: Schreibtisch »Haze«"temptation", Sideboards, Stellwände – Sedus Stoll AG, Dogern
Möblierung: Schreibtischstuhl »ID Trim«, Sitzmöbel »Alcove« – Vitra International AG, Birsfelden
Möblierung: Stühle Seminarbereich »Chairik« – Engelbrechts A/S (Montana Furniture, Haarby), Kopenhagen
Möblierung: Klapptisch Seminarbereich »sleight ultralight« – Brunner GmbH, Rheinau-Freistett
Trennwandsysteme: feco-feederle GmbH, Karlsruhe
Textilien: Bespannungen »Divina Melange«, Vorhänge »Haze« – Kvadrat, Ebeltoft
Beschläge  – Türdrücker Serie »1023«, Edelstahl – FSB, Brakel
Türschließer, Motorschloss: dormakaba, Ennepetal
Sanitärkeramik: Laufen Pro S – Laufen Deutschland Roca GmbH, Staudt
Armaturen: Focus – hansgrohe, Schiltach
Lichtschalter, Elektroinstallation: Flächenschalter »LS 990« – Jung, Schalksmühle

Bruttogeschossfläche
9.300 m²

Gebäudevolumen
36.900 m³

Gesamtkosten
k.A.

Fotos
Roland Halbe Fotografie, Stuttgart

Vorgestelltes Projekt

Sieveke Weber Architekten BDA

Scheune für Lucia und Samuel

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