Umbau und Erweiterung Weingut Steitz

Stein-Bockenheim
Architectes
Molter-Linnemann Architekten BDA
Adresse
Mörsfelder Straße 3, 55599 Stein-Bockenheim
Année
2007

Positive Präsentation in Produkt und Produktionsstätte Die Weinbaugebiete in Rheinland-Pfalz bieten uns charakteristische Landschaften. Ihr Bild prägt seit Jahrhunderten unseren Kulturraum. Die Gestalt und Wirkung eines Gebäudes ergeben sich nicht zufällig. Sie ist zum einen die Essenz aus einer klaren Ordnung, die einem die Bauaufgabe auferlegt. So erfolgt die Weinproduktion in einer klaren Reihenfolge -ernten-entrappen-keltern-lagern-ausbauen-abfüllen-verkauf usw. Diese hat unmittelbar Auswirkung auf die Anordnung der Räume im Weingut. Zum andern ist die Gestalt aber auch Essenz aus den Bedingungen des Orts, an dem das Weingut entstehen soll. Der gewachsene Boden, eben oder am Hang gelegen, das Klima, die Geschichte und Kultur bestimmen die Bedingungen. Auf sie müssen die Architekten reagieren.

Das Weingut Steitz liegt im Weinort Stein-Bockenheim in der rheinhessischen Schweiz. Die Anlage besteht aus Gebäuden, die sich um einen großen Hof gruppieren. Sie wurde 1913 in ortstypischen gelbem Sandstein erbaut und in den 70-er Jahren um eine Scheune erweitert. Doch der Platz reichte nicht mehr aus, um die Weinproduktion optimal zu gestalten. Eine Produktionshalle sollte in unmittelbarer Nachbarschaft gebaut werden. 2003 begannen wir die Konzeption, von 2004-2005 wurde das Geplante dann umgesetzt.

An Hand des Projektes „Weingut Steitz“, welches zusammen mit Thomas Thrun (ebenso Architekt in Kaiserslautern) geplant und gebaut wurde, lässt sich unsere Vorgehensweise darstellen. Absicht war es, die Verantwortung gegenüber unserem Umfeld zu wecken und darüber hinaus erkenntlich zu machen, dass verantwortungsvolles Handeln sich auch verkaufsfördernd auswirkt. Positive Präsentation in Produkt und Produktionsstätte bilden eine einprägsame Einheit.

Der Neubau der Halle, der den Produktions- und Lagerbereich beinhaltet, schließt sich unmittelbar an die alte Scheune an. Zwischen dem Neubau und der bestehenden Scheune bildet sich ein neuer Hof aus, die Hoftypologie findet hier seine Wiederholung. Den räumlichen Abschluss des Hofes leistet die Fassade des Neubaus, die sich über das Volumen des Neubaus fortsetzt und zur Begrenzung des Hofes wird. Je nach Betrachtungspunkt wechselt der Eindruck des flächen- bzw. körperhaften Charakters der Fassade. Der neue Hof wird bald durch ein Weinlaubendach einen oberen Abschluss erhalten. Die Erschließung der Halle erfolgt über einen Wirtschaftshof auf der Straßen abgewandten Seite.

Durchbrüche in den Begrenzungswänden der alten Scheune schaffen räumliche Verbindungen zur neuen Halle und dem Verkaufsraum der bestehenden Hofanlage (hinter dem Scheunentor). Bestand und Neubau ergänzen sich funktional, die Arbeitsabläufe schreiben sich in das neu entstandene Raumgefüge ein. Entsprechend der Raumnutzung sind die Atmosphären unterschiedlich ausgebildet: Weinproduktion nüchtern und Weinverköstigung gedämpft.

Die Halle ist in Massivbau (Kalksandsteinmauerwerk / Fertigbetonwände) errichtet. Giebel­ und Straßenseite haben eine hinterlüftete, gedämmte Holzfassade aus unbehandelter sibirischer Lärche. Die Boden-/Deckelschalung variiert in den Breiten 5/10/15 cm. Die Dachhaut aus Isopaneelen wird von Leimholzbindern getragen und überdeckt sowohl die neue Halle wie die alte Scheune. Das Bodenniveau der alten Scheune wurde im Zuge der Baumaßnahme um 1,20 m tiefer gelegt. Der Boden schließt nun bündig an den Boden der bestehenden Hofanlage und der neuen Halle.

Der Innenraum der alten Scheune wurde komplett weiß gestrichen. Die Fundamente, die durch die Tieferlegung sichtbar geworden sind, bestimmen zusammen mit der neuen Wand den Raum. Die Wand selbst ist raumhaltig und dient auf der Seite des Flaschenlagers als Regal für Paletten mit Weinkisten. Auf der anderen Seite bildet die mit rotbraunen Siebdruckplatten beplankte Wand einen Hintergrund für die Barriquefässer oder für eine Tischtafel, die zu Weinverköstigungen aufgebaut wird.

Zuletzt wurde das alte Tor am großen Hof ausgetauscht. Ein Tor ist eine große Öffnung, die tendenziell geschlossen wirkt. An diesem Charakter wollten wir festhalten. Das neue Tor präsentiert sich wahlweise geschlossen oder offen.

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