Mit deutlich weniger Material mehr herstellen

Leonhard Fromm
29. marzo 2023
Der Zehn-Familien-Neubau in Brühl wird in Holzbauweise errichtet. (Foto: Jan Rottler)

„Nachfrage und Angebot gehen immer weiter auseinander, was nicht nur zu steigenden Preisen führt“, so Finkbeiner bei einer Holzkonferenz Anfang des Jahres. Der Verband der Deutschen Automobilindustrie fordere mittlerweile eine Agentur für das Rohstoffmanagement, um dessen Verfügbarkeit zu sichern. Für den Planer ganz klar: Es muss mit deutlich weniger Material mehr gebaut werden – und das Material muss dauerhaft im Kreislauf bleiben.
Wer nicht aus ökologischen Gründen umdenke, müsse dies aus kaufmännischen tun. Bis 2050, so Prognosen, fehlten weltweit acht Milliarden Tonnen Baumaterial, weil bei steigenden Bevölkerungszahlen die Ressourcen immer rascher limitiert seien. So habe sich der Verbrauch seit 1950 verzehnfacht, die Herstellung von Baustoffen aber nur versiebenfacht. Bundesweit habe sich der Flächenverbrauch in diesem Zeitraum mehr als verdreifacht auf zuletzt 46 m2 Wohnfläche je Einwohner.


„Wenn wir nicht bald den Switch zur Kreislaufwirtschaft schaffen, führt dies zum Zusammenbruch der globalen Ökosysteme“, prophezeit Finkbeiner. Weil aber auch Rezyklieren CO2 emittiert und Ressourcen verbraucht, „ist Verzichten am ökologischsten.“ 46 Prozent allen Kohlendioxids sei bislang noch in Wäldern gebunden, aber erst zwei Prozent in Holzprodukten wie Balken, Wänden oder Decken. Dagegen würden 52 Prozent des Holzes, darunter auch Abfälle aus der industriellen Verarbeitung, thermisch verwertet, was sofort dessen CO2 wieder freisetzt. Auch deshalb sei es geboten, mit Holz zu bauen und dieses möglichst lange in stofflichen Kreisläufen zu halten, um klimaverändernde Emissionen einzulagern. Verbautes Holz solle nicht nach der ersten Demontage nach 50 Jahren verbrannt werden, sondern könne wieder und wieder verwendet werden. 


Quer durch die Republik von Berlin bis nach Brühl in Baden und Brixen in Südtirol stellte der Architekt Verwaltungsgebäude, Wohnbebauungen und Bildungszentren vor, die sein Büro überwiegend in Holz gestaltet hat. Darunter auch ein Gründerzentrum in Bremerhaven, das mit recycelten Fenstern, Fliesen und Beschlägen errichtet werden soll, die die Online-Plattform Concular für gebrauchte Baumaterialien vermittelt. Finkbeiner dazu: „Zirkuläres Bauen braucht mehr Zeit, erfordert viel Know-how und erschwert die Logistik.“ Doch diesen Herausforderungen müssten sich verantwortungsbewusste Architekten und Auftraggeber stellen. Problematisch seien öffentliche Aufträge und Vergaben, weil diese seine zirkulären Ansätze noch gar nicht vorsähen. Und nach der Honorierung befragt meinte der Visionär: „Ohne Idealismus geht das noch nicht.“

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