Schwarz in Grün

Drei Architekten
22. septiembre 2021
Blick von Osten auf die Halle mit großer Linde (Foto: Zooey Braun)

Das Büro Drei Architekten hat die Dreifeld-Sporthalle des Berufsschulzentrums in Esslingen-Zell fertiggestellt. Rainer Streule wählt Bilder und Pläne und beantwortet unsere Fragen zum Projekt.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Sporthalle – kennt jeder. Entweder aus der Schulzeit oder aus dem Vereinssport. Sporthalle, Umkleiden, vielleicht noch ein paar zusätzliche Räume – bei der Sporthalle in Esslingen-Zell ein Gymnastik- und ein Fitnessraum. Klingt zunächst wenig besonders. Wie also zu etwas Besonderem machen?

Das erste, was ein Gebäude zu etwas Besonderem macht, ist seine Lage – die Verortung in dem ihn umgebenden Kontext. Der Ort ist hier durch viel Grün geprägt – dem wir mit großem Respekt begegnet sind, indem wir versucht haben, das Gebäude möglichst natürlich in die Umgebung einzubinden. Das Gebäudeinnere einer Sporthalle ist natürlich durch die Bezüge der eigentlichen Hallenflächen zu den Umkleideräumen und den Fluren sehr vorbestimmt. Liegt alles auf einem Niveau wie bei der Sporthalle in Esslingen-Zell, umso mehr. Wir haben versucht, den Grundriss so zu entwerfen, dass er sich zu einer natürlichen Struktur entwickelt – ohne Ecken und Kanten, nahtlos gefügt. Und, um den Maßstab weiter zu vertiefen, in der Durcharbeitung und der Ausbildung jedes Details. Setzt man diesen Anspruch aus dem Grundriss konsequent auch in den Details um, spürt man das auch vor Ort: ein Gebäude, gedacht von der Einbindung in die Landschaft bis in die Ausformulierung jedes Details. Und das macht Spaß und ist unser Anspruch.

Eingebettet in eine Landschaft mit Wiesen, Hügeln und Baumbestand (Foto: Zooey Braun)
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?

Wie funktionieren Sporthallen und was kann anders gemacht werden – diese Fragen stellen wir uns bei jeder dieser Bauaufgaben. Unsere Inspiration bei der Sporthalle in Esslingen-Zell war neues auszuprobieren. So wurden in den Umkleiden und den Duschbereichen vollflächige, bodentief satinierte Verglasungen eingesetzt – dadurch kommt gefiltertes Tageslicht in einen Bereich, der sonst durch Oberlichter oder künstliches Licht geprägt ist. Sehen tut man von außen nichts – und innen wirken die Räume durch diesen Ansatz deutlich größer und einladender. Wir strebten ein sehr schlankes Tragwerk für das Hallendach an: Mit 10x18 cm dimensionierten Vollstahlstützen scheint das Dachtragwerk fast schwebend in der Halle – hier fragt man sich immer wieder, wie die mächtigen Holzbinder des Daches eigentlich gehalten werden. Und klar war das Material der Fassade – gewellter Faserzement – eine der Inspirationen im Projekt. Wie kann man ein Material, was auf den ersten Blick ungewöhnlich scheint, an einer Sporthalle so einsetzen und ausdetaillieren, dass es zum Gebäude passt und es speziell macht.

Eingang der Sporthalle in Richtung der beiden benachbarten Schulen (Foto: Zooey Braun)
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?

Die Sporthalle wurde als Ersatzneubau einer sehr in die Jahre gekommenen Fertigteilhalle nötig. Ab 2015 als Flüchtlingsunterkunft genutzt, war ein Abriss mit anschließendem Neubau durch den Auftraggeber gewünscht. Eingebettet ist die Sporthalle in den Gesamtkomplex des umgebenden Schulzentrums – zwei Schulen mit gemeinsamer Nutzung der Halle. Gelegen unweit des Neckars in einer durch großzügiges Grün geprägten, fast parkartig anmutenden Landschaft mit Wiesen, Hügeln und altem Baumbestand.

Klar war, dass die Lage der Sporthalle kaum geändert werden kann – die wesentlichen Bezüge in den Außenanlagen mit Schulgebäuden, Pausenhof und Stellplätzen waren über den Bestand bereits definiert. Wichtig war uns, dass der Eingang der Sporthalle in Richtung des Pausenhofes klar orientiert und ablesbar angeordnet ist – was beim Vorgängerbau nicht der Fall war. Der Neubau öffnet sich jetzt mit großer und einladender Geste zu den restlichen Gebäuden – dadurch wird die Sporthalle spürbar präsenter in die Umgebung eingebettet. Topographisch nimmt der Neubau die bestehenden Höhen des Vorgängerbaues weitgehend wieder auf – und findet damit ganz natürlich seinen Platz am Ort.

In unmittelbarer Umgebung der alten Halle gab es eine große Linde. Ein stattlicher Baum – den wir unbedingt halten wollten. Während der Bauzeit sah er eine ganze Zeit etwas traurig aus – aber es gibt ihn immer noch. Steht man in der Sporthalle nimmt man ihn immer wahr – und ein großer Baum ist schon etwas anderes. Und von außen wirkt es, als ob das Gebäude und die Linde schon immer an diesem Ort gemeinsam gestanden haben.

Fassadenmaterial Faserzement - glatt und als Welle (Foto: Zooey Braun)
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?

Wir als Architekten haben immer den Wunsch, ein ganzheitlich gedachtes Haus zu entwerfen und zu bauen. Gleichzeitig wirken auf jede Bauaufgabe weitere Faktoren wie Bauherrenwünsche, Kosten, Termine und natürlich auch gesetzliche Vorgaben ein. Und klar können auch bei der Ausführung Änderung zum Beispiel aus unerwarteten Kostensteigerungen Folgen für das Gebäude haben. Das war bei der Sporthalle in Esslingen-Zell zum Glück nicht der Fall. Der Bauherr ist den Entwurf der Halle von Anfang an mit gegangen – auch als wir dann das Fassadenmaterial Faserzement vorgestellt haben. Beim Farbkonzept setzten wir auf eine schwarze Hülle mit einem bestimmenden Rot im Inneren, kombiniert mit wenigen und zurückhaltenden Materialien. Unsere Partner waren dazu immer bereit. Und Nutzer gibt es ja auch noch – aber auch hier war der ständige gemeinsame Austausch im Vordergrund und es konnten immer Lösungen erarbeitet werden, die konform mit der Architektur und auch den Wünschen und Anregungen der Nutzer waren.

Fast schwebend anmutende Dachkonstruktion (Foto: Zooey Braun)
Wie hat sich das Projekt vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk verändert?

Kern unserer Architekturhaltung und des Entwurfsprozesses ist das Bestreben, viel Zeit am Anfang in die Bauaufgabe zu investieren. Das Haus (vor)denken möglichst detailliert und umfassend. Das macht am Anfang viele Varianten nötig – aus denen immer wieder neue Ansätze entstehen und das beste weiterverfolgt wird. Ist das Haus dann so weit definiert und durch viele gemeinsame Besprechungen und auch im Austausch mit dem Bauherren gefestigt, werden bis zur Realisierung vor allem noch Farben und Oberflächen weiterentwickelt. Bei der Sporthalle in Esslingen-Zell war es das Fassadenmaterial, das wir intensiv diskutiert haben – und der rote Sportboden in einem Sonderfarbton. Bis ein Gebäude vollendet ist, braucht es dann immer wieder kleinere Eingriffe, damit das Gebäude schlussendlich zu einem gelungenen Gesamten wird.

Roter Sporthallenboden als Sonderfarbton (Foto: Zooey Braun)
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?

Wir als Büro Drei Architekten sind immer bestrebt, gerade beim Thema Energie und Nachhaltigkeit das Gebäude umfassend zu denken. Der Energiestandard geht bei diesem Projekt weit über das gesetzlich geforderte Maß hinaus und zusammen mit wenig eingesetzter Haustechnik – die Halle wird natürlich belüftet – sind über diesen Ansatz die Folgekosten bewusst minimiert. Dauerhafte und wertige Materialien unterstützen diesen Ansatz zusätzlich. Der Grundriss ist gerade in den Umkleidezonen so gewählt, dass variable – und damit nachhaltige – Nutzungen möglich sind. Unsere Architektur soll bewusst nicht aktuellen gestalterischen Tendenzen folgen – zeitlos, selbstbewusst und in der Konzeption nachhaltig sind hier mehr im Fokus unserer Arbeit. Und das merkt man dem Gebäude denke ich auch an.

Natürliche Belichtung durch bodentiefe, satinierte Verglasungen (Foto: Zooey Braun)
Wiederaufnahme des roten Farbtones in einzelnen Bereichen (Foto: Zooey Braun)
Welche speziellen Produkte oder Materialien haben zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?

Kern unserer Architektursprache ist der Einsatz von wenigen, der Bauaufgabe angemessenen Materialien. Schulsporthallen brauchen dauerhafte und widerstandsfähige Oberflächen. Innen wurde daher bewusst neben Sichtbeton in den Flur- und Umkleidezonen auf Aluverglasungen und Prallwandflächen aus Holz gesetzt. Dadurch entsteht ein reduziertes Erscheinungsbild des Gebäudes. Gepaart mit dem roten Sportboden in der Schulporthalle und in den Gymnastik- und Fitnessräumen entsteht ein warmer und einladender Eindruck, der in der Sporthalle durch den Außenbezug ins Grüne der umgebenden Landschaft ergänzt wird. Der Sonderfarbton des Sportbodens wurde gemeinsam mit dem Hersteller entwickelt. Die leicht weiß lasierten Binder der Sporthallen setzen sich in ihrem Farbton in den Akustikdeckenflächen und Prallwandverkleidungen fort und nehmen, je nach Tageszeit und Lichteinfall, mehr oder weniger das Rot der Böden etwas auf, was den warmer Eindruck der Halle unterstreicht. Im Gymnastik- und Fitnessraum wurde eine naturbelassene Holzlamellendecke verwendet – was den zurückhaltenden und dennoch hochwertigen Eindruck der Oberflächen in diesen Räumen betont. Die rote Farbe des Sportbodens wurde an einer Flurwand als durchlaufende verspachtelte Wandfläche wieder aufgenommen – sozusagen als Auftakt und Bindeglied zu den eigentlichen Sporträumen. Außen ist das Gebäude schwarz – also ganz schwarz. Neben den aus vielen Bauwerken bekannten glatten Faserzementplatten – hier am Sockel eingesetzt – haben wir an der restlichen Fassadenflächen Faserzementwellplatten verwendet. Ein Baustoff, den man eher von Dächern oder von Landwirtschaftlichen Gebäuden kennt. Ungewohnt, aber passend und speziell. Ein ganz schwarzes Gebäude in einer sehr grünen Umgebung.

Lageplan (Zeichnung: Drei Architekten)
Grundriss (Zeichnung: Drei Architekten)
Schnitt (Zeichnung: Drei Architekten)
Schnitt (Zeichnung: Drei Architekten)
Dreifeld-Sporthalle Berufsschulzentrum Esslingen-Zell
2020
Steinbeisstraße 19
73730 Esslingen am Neckar
 
Nutzung
Schul- und Vereinssporthalle
 
Auftragsart
VgV-Verfahren
 
Bauherrschaft
Landratsamt Esslingen
 
Architektur
Drei Architekten Konsek Streule Vogel Partnerschaft mbB, Stuttgart
Harald Konsek (Verantwortlicher Partner LPH 2-3)
Rainer Streule (verantwortlicher Partner ab LPH 4)
Maren Ritter (Projektleitung), Michèle Heinze, Hannah Thibault
 
Fachplaner
Tragwerksplanung: Werner & Balci GmbH, Esslingen
Haustechnik: HLSE Paul Gampe & Partner GmbH, Esslingen
Bauphysik: GN Bauphysik, Stuttgart
Freianlagen: Drei Architekten Partnerschaft mbB, Stuttgart
 
Bauleitung
Wild Architekten PartGmbB, Wendlingen am Neckar
 
Ausführende Firmen
Abbrucharbeiten: JMS GmbH & Co. KG,  Weinstadt
Rohbauarbeiten: Grötz Bauunternehmung GmbH, Nürtingen
Zimmermannarbeiten: Moser Holzbau KG, Salach
Verglasungsarbeiten: Hewe Glas- und Metallbau GmbH, Lahr
Fassadenbekleidungen: AS Fassaden GmbH, Gars Bahnhof
Dachabdichtungsarbeiten: Refa Dachbau GmbH, Freiberg
Gerüstbauarbeiten: Baisch Gerüstbau GmbH & Co. KG, Bad Urach
Stahlbauarbeiten: Stahlbau Jerger GmbH, Waiblingen
Innenputz- und Malerarbeiten: Seeger Der Maler und Stukateur, Waiblingen
Estricharbeiten: Okatar Estrichbau GmbH, Merzig
Trockenbauarbeiten: Oskar Ernst GmbH, Esslingen
Sportboden- und Linoleum: Sportböden-Systeme GmbH, Osnabrück
Gebäudereinigungsarbeiten: K. Raptis Gebäudereinigung, Stuttgart
Sporteinbauten: Gotthilf Benz GmbH & Co. KG, Winnenden
Trennvorhänge: Diaplan Innenausbau GmbH, Freilassing
Prallwandarbeiten: Ries Akustik Innenausbau GmbH, Alerheim
Kletterwand: Gotthilf Benz GmbH & Co. KG, Winnenden
Schreinerarbeiten: Single Innenausbau GmbH, Frickenhausen
Innentürenarbeiten: Single Innenausbau GmbH, Frickenhausen
Fliesenarbeiten: von Au Gehrung Fliesen GmbH, Nürtingen
Sanitärinstallationen: Rolf Schöllhammer, Nürtingen
Heizungsinstallationen: Günter Höss GmbH, Schorndorf
Lüftungstechnik: Climair Gebäudetechnik GmbH, Waldenbuch
Starkstrom- & Fernmeldetechnik: Barth & Kerner GmbH, Esslingen
Gebäudeautomation: Windmüller GmbH, Schwäbisch Hall
Schließanlage: Thurner Sicherheitstechnik, Bad Überkingen
Außenanlagen: Fischer GmbH, Kornwestheim
Beschilderung: Berghold & Gamper, Stuttgart
 
Hersteller
Faserzementfassade – Welle, Eternit GmbH, Wellplatte Profil 8 dunkelgrau
Faserzementfassade – glatt, Eternit GmbH, Equitone natura pro 8mm N 074 schwarz
Verglasung, Schüco International KG, FWS 50 SI
Sonnenschutz, Warema Renkhoff SE, Raffstore Typ E60S A2 + Senkrechtmarkise 201
Sauberlauf, emco Bautechnik GmbH (Ems), Eingangsmatte Emco Marschall
Wandfliesen, Agrob Buchtal GmbH, Mosaik 5x5cm/ Serie Plural/ Farbe oxidrot aktiv
Bodenfliesen, VitrA Fliesen GmbH & Co. KG, Mosaik 5x5cm/ Serie Pro Function/ Farbe grey
Linoleum, Gerflor Mipolam GmbH, Lino Art Metallic 2.5 LPX/ Alumino Light Grey
Linoleum, Gerflor Mipolam GmbH, Linodur Sport 4.0/ Sonderfarbton 'lobbster red' oxidrot
Holzlamellendecke, Franz Habisreutinger GmbH & Co. KG, Habis Objektleisten B2 30mm
Prallwand, Ries Akustik Innenausbau GmbH, Ries 5
Sporthallenbrandschutztüren, Holzbau Schmid GmbH & Co. KG, T30-1 HOBA Typ 7
Sporteinbauten, Gotthilf Benz Turngerätefabrik GmbH+Co KG, Diverse Sporteinbauten
Kletterwand, Gotthilf Benz Turngerätefabrik GmbH+Co KG, Modulkletterwand Modul MTM
Umkleidebänke, rontec GmbH Metallwerke, rontec arena Umkleidebank 8530
Sanitäreinbauten, Geberit GmbH, Keramag Renova Plan + Publica Waschrinne
Sanitär Behinderten-WC, Duravit AG, Starck 3
Edelstahlduschpaneel, Franke Aquarotter GmbH, Duschpaneel AQLT0098
Stahlzargen, Rüthener Zargenbau GmbH & Co KG, Eck- und Umfassungszargen
Türblätter, REINÆRDT Türen GmbH, HPL Holztürblatt
Brandschutzverglasungen, Schüco International KG, ADS 80 FR30
Anstrich, Sto SE & Co. KGaA, Sto
Trennvorhang + Schutznetz, diaplan prallwand + Sportsysteme, Trenntex B1 + AL 45 x 80
 
Energiestandard
KfW-Effizienzhaus 55
 
Bruttogeschossfläche
2.163 m²
 
Gebäudevolumen
16.719 m³
 
Kubikmeterpreis
245 €/m³ brutto bezogen auf KG 300 + 400
324 €/m³ brutto bezogen auf KG 200 – 700
 
Gebäudekosten
4.144.816 € brutto KG 300 + 400
 
Gesamtkosten
5.479.863 € brutto KG 200 – 700
 
Fotos
Zooey Braun

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