Campus Vertikal

Ulf Meyer
7. April 2021
Der Neubau der Firma Bitzer liegt im Gewerbegebiet Sindelfingen Ost (Foto: HG Esch)

In einem Gewerbegebiet an der Autobahn in der schwäbischen Provinz Städtebau betreiben zu wollen, klingt wie ein Himmelfahrtskommando. Doch für die neue Unternehmenszentrale der Kältemittel-Firma Bitzer in Sindelfingen haben kadawittfeldarchitektur aus Aachen einen schlanken Büroturm entworfen, der städtebaulich alles richtig zu machen scheint.

Seit der Unternehmensgründung vor 87 Jahren sitzt die Firma Bitzer am südlichen Stadteingang von Sindelfingen, westlich von Stuttgart. Der neue schwarze Turm des Hauptsitzes wurde direkt neben den Bestandsgebäuden errichtet und „öffnet sich in Richtung Gäste und Mitarbeiter“. Die Räume der Firma Bitzer liegen in der 8. bis 17. Etage, weitere 200 Arbeitsplätze im 2.-7. Obergeschoss werden vermietet. Der angefügte Flachbau orientiert sich an den Höhen der gebauten Umgebung und der Bauflucht der Tilsiter Straße. Um einen Innenhof herum organisiert sind Restaurant, Küche, Ausstellungs- und Konferenzräume. An der Schnittstelle zwischen Büroturm und Sockel befindet sich das Foyer. Vom stützenfreien Ausstellungsbereich aus schaut man zu Vorplatz und Innenhof. 

Das Haus entspricht den Standards der KfW-55 Förderung (Foto: HG Esch)
Foto: Jens Kirchner
Foto: Jens Kirchner

Das 17-geschossige Hauptgebäude hat einen Innenhof mit Außenterrasse, eine Freitreppe mit Sitzstufen dient als Pausenfläche. Die vertikalen Fugen in der Fassade entstehen durch die Treppen an der Fassade und die „PLUS-Zone“ im Zentrum mit Besprechungsräumen, Lounges oder Coffee-Points. Die Büros sind klassisch ringförmig um den Kern angeordnet, aufgeteilt in Einzel- und Gruppenbüros sowie flexible Bürolandschaften. Je zwei Geschosse sind über einen Luftraum und eine elegante weiße Wendeltreppe miteinander verbunden, was kurze Wege über die Etagen hinweg ermöglicht und attraktive, natürlich belichtete Bereiche mit Blick in die Landschaft schafft. 
Die Bürofassaden bestehen aus Kastenfenstern mit 1,45m Achsbreite. Sie haben einen wind- und wettergeschützten Sonnenschutz, die Räume können manuell gelüftet werden. Hinter der hinterlüfteten Prallscheibe befindet sich die thermische Hülle, die Lüftungsschlitze in der äußeren Fassade sind im Wechsel oben und unten angeordnet, um für Varianz und Luftzirkulation zu sorgen. Zwischen den Glasscheiben liegen die Aluminium-Lamellen-Jalousien, im Innenraum die Blendschutz-Rollos. Das ermöglicht eine Tageslicht-abhängige Steuerung, da der Sonnenschutz nicht dem Wind ausgesetzt ist. Der Zwischenraum zwischen den Fassaden ist mit Schallabsorptionsmaterial ausgekleidet, das akustischen Komfort auch in Richtung Autobahn erzielt. Die Fassaden der zweigeschossigen Sonderbereiche besteht aus einer großformatigen, zweischaligen Elementfassade aus Weißglas. 

Lageplan ohne Maßstab, im Süden ist die Autobahn zu sehen (Plan: kadawittfeldarchitektur)
Grundriss 1. Obergeschoss (Plan: kadawittfeldarchitektur
Sieben Wendeltreppen verbinden je zwei Etagen (Plan: kadawittfeldarchitektur)

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