10 Jahre, 600 Projekte: Neue Monografie von Baumschlager Eberle

Elias Baumgarten
3. June 2021
Foto: Elias Baumgarten

Nicht weniger als 600 Projekte werden in „Baumschlager Eberle Architekten 2010–2020“ gezeigt. Doch das sehr schön aufgemachte Buch bietet noch weit mehr als eine Sammlung von Fotografien und Plänen.

Fast drei Kilogramm wiegt das Päckchen aus Vorarlberg, das ich neulich in meiner Post finde. Es ist von Baumschlager Eberle. Schicken die mir einen Ziegelstein?, wundere ich mich. Nein. Tatsächlich handelt es sich bei dem schwergewichtigen Inhalt der Sendung um die neue Monografie des österreichischen Büros, das inzwischen Niederlassungen in Liechtenstein, China, Deutschland, Vietnam, Frankreich, Polen und bei uns in der Schweiz unterhält. Das schöne Buch mit feinem Leineneinband ist 23 auf 32 Zentimeter groß und 616 Seiten dick. Und diese Maße braucht es auch, denn nicht nur haben die Architekten 600 Projekte aus den letzten zehn Jahren zu zeigen, nein, die Herausgeber Dietmar Eberle und Eberhard Tröger haben auch mehrere Essays und vier Interviews hineingepackt.

Foto: Elias Baumgarten

Das gefällt sehr, erhält man doch auf diese Weise einen genauen Einblick in die architektonische Haltung des Büros und kann sich einen Eindruck von dessen Arbeitsweise machen. Besonders die Interviews zeigen, wie Dietmar Eberle nicht nur zu architektonischen, sondern auch zu gesellschaftlichen, ökologischen und ökonomischen Themen denkt. Eberhard Tröger ist es beim Schreiben gelungen, ein sehr authentisches Porträt des Architekten zu zeichnen. Der spricht über den wachsenden wirtschaftlichen Druck, der auf dem Bausektor lastet, und plädiert leidenschaftlich für eine lokal verwurzelte Architektur, die die Identität des jeweiligen Ortes stärkt. Deutlich wird an dieser Stelle sein großes Interesse an kulturellen Unterschieden und seine ehrliche Achtung verschiedenster soziokultureller Konventionen. Nicht umsonst arbeitet sein Büro organisiert in etliche regionale Niederlassungen und stets mit einheimischen Partnern. Natürlich ist auch das zukunftsfähige, ressourcenschonende Bauen ein wichtiges Thema – nicht nur in den Interviews, sondern im ganzen Buch. Vittorio Magnago Lampugnani schreibt in seinem Essay sogar, er halte das mittlerweile weithin bekannte Low-Tech-Bürogebäude „2226“ in Vorarlberg schon jetzt für ein wesentliches Stück Architekturgeschichte. 

Foto: Elias Baumgarten
Foto: Elias Baumgarten
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Die Projekte selbst werden unterschiedlich vertieft vorgestellt. Viele sind nur mit kleinen Schwarz-Weiß-Bildern und den wichtigsten Daten präsent. 39 hingegen werden mit kurzen Texten, einigen Fotos und Plänen schon genauer gezeigt, und 14 sind mit langen Erklärungen sowie vielen Fotos und Plänen detailliert dargestellt. Ergänzt werden Aufsätze, Interviews und Werkverzeichnis durch den dreiteiligen Fotoessay „Mensch Stadt Landschaft“ von Claudia Klein, der durch gestrichenes Papier hervorgehoben ist. Die dynamisch-lebendigen Fotografien sind eine großartige Ergänzung und Auflockerung.

Foto: Elias Baumgarten
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Foto: Elias Baumgarten

Das monströse Buch ist sehr zu empfehlen: Wer sich für die Gedankenwelt anderer oder deren Arbeitsweise interessiert und eine architekturtheoretische Einordnung wünscht, kommt genauso auf seine Kosten wie all jene, die vor allem nach Inspiration suchen und gerne Pläne und Fotografien studieren. 

Foto: Elias Baumgarten
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Baumschlager Eberle Architekten 2010–2020

Baumschlager Eberle Architekten 2010–2020
Dietmar Eberle, Eberhard Tröger (Hrsg.)

230 x 320 Millimeter
616 Pages
1136 Illustrations
Hardback
ISBN 9783035620030
Birkhäuser
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