Pilze als Schallabsorber

Martina Metzner
24. August 2022
Das Pilzmyzel wird mit einem 3D-Drucker in eine beliebige Form gedruckt. (Foto: Fraunhofer UMSICHT)

Dass man Pilze als Schallabsorber einsetzen kann, gehört zu den neusten Entwicklungen. Bislang beherrschen Mineralfasern den Markt der Schallabsorber in der Innenarchitektur. Um eine umweltfreundlichere und gleichzeitig effektivere Alternative zu präsentieren, entwickeln das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT und das Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP Schallabsorber aus pilzbasierten Stoffen. Die Idee stammt von Projektleiterin Julia Krayer vom Fraunhofer UMSICHT in Oberhausen: „Im Rahmen der Materialentwicklung stehen pflanzliche Substrate und Pilzmyzel im Fokus.“  Das Myzel besteht aus einem feinen Geflecht fadenförmiger Hyphen, wächst in der Natur unterirdisch und kann, je nach Art, eine Größe von über einem Quadratkilometer erreichen.

Für das Projekt des Fraunhofer UMSICHT werden die Myzel-Fäden im Labor gezüchtet. Das Pilzmyzel wird zunächst mit einem pflanzlichen Substrat, bestehend aus Stroh, Holz und Abfällen aus der Lebensmittelproduktion, vermischt und danach mit einem 3D-Drucker in eine beliebige Form gedruckt. „Daraufhin wird das gesamte Substrat von den Myzel-Fäden durchwachsen und bildet so eine feste Struktur“, sagt Krayer. Sobald das Myzel das feinkörnige Substrat durchdrungen hat, wird das Produkt im Ofen getrocknet, um den Pilz abzutöten. Das auf diese Weise entstandene Material verfügt über eine offenporige Oberfläche, kann dadurch Schall aufnehmen und eignet sich mit gedruckten Porenstrukturen sehr gut als Schallabsorber.

Fraunhofer UMSICHT

Rezeptur und Grundsubstrat haben gleichzeitig auch Auswirkungen auf die akustische Leistung des Materials. Hier stellte sich beispielsweise heraus, dass sich die sehr feinen Fasern für den Druck zwar sehr vorteilhaft zeigen. Für die Akustik sind die Fasern aber eher hinderlich. Ebenso behinderten sie das Wachstum der Pilze, da diese auf einen Gasaustausch in dem Material angewiesen sind. Für die richtige Mischung mussten Pilzwachstum, Eigenschaften und 3D-Druck genau aufeinander abgestimmt werden.

Das pilzbasierte Material kann nicht nur im Akustikbereich angewendet werden: „Die Endprodukte wären wohl ebenfalls als Dämm-Material einsetzbar, jedoch bräuchte es hier noch intensivere Forschung“, sagt Krayer. Auch die Verwendung von Pilzmyzel zur Herstellung von Werkstoffen wie Pilzleder, Pilzgewebe und pilzbasierten Kunststoffen ist vielversprechend. Aus den pilzbasierten Stoffen könnten so in Zukunft ebenfalls Kleidungsstücke, Möbel oder Kapselungen von Elektrogeräten entstehen.

Vorgestelltes Projekt

HGEsch Photography

Toranomon Hills Tokyo

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