Hanf und Kalk

Martina Metzner
19. Mai 2021
Hanfkalkziegel oder – platten können bei Neubauten oder Sanierungen eingesetzt werden. (Foto: Maren Krings Photography)

Nicht nur für Textilien, als Nahrung oder Medizin: Vermischt mit Kalk kommt Hanf nun als nachwachsender Bauwerkstoff der Zukunft in Form von Platten und Ziegel zur Anwendung.

Hanf ist eine vielseitige Nutzpflanze, seine Samen, Fasern, Schäben, Blätter und Blüten werden als Einstreu für die Tierhaltung, für Textilien, als Öl zum Essen oder als Medizin verwendet. Hanf kann aber auch als alternatives Baumaterial genutzt werden, neben der Beimischung in Putzen und Beton vor allem als Hanffaserplatten sowie als Hanfziegel. Während die Hanfplatten für Innen- und Außendämmung eingesetzt werden können, sind Hanfziegel als nichttragende Ausfachung für Außen- und Trennwände in Neubauten und Sanierungen geeignet. Noch kommen Hanf-Kalk-Ziegel in Nischenprojekten vor, das dürfte sich aber mit dem aktuell diskutierten Paradigmenwechsel hin zu ressourcenschonenden, klimagerechten und gesunden Materialien und der damit einhergehenden Wiederentdeckung von traditionellen Naturmaterialien wie Holz, Lehm und Stroh ändern.

Hanfziegel werden als Planstein (Schönthaler) oder als Planblock (Isohemp) angeboten. (Foto: Maren Krings Photography)

Aus den Hanfschäben vermengt mit Wasser und Naturkalk entstehen die zu 100% natürlichen Hanfziegel, die so hart sind wie Stein und die Unternehmen wie Schönthaler aus Südtirol oder Isohemp aus Belgien in unterschiedlichen Konfektionen anbieten. In Deutschland werden sie von von Hanf aus dem norddeutschen Hohenaspe vertrieben. Hanfziegel vereinen viele Vorteile: Sie sind stabil, wirken akustisch und dämmen zugleich – bei einem U-Wert (38 cm) von 0,17. Außerdem brennen sie nicht (Brandschutzklasse s1, d0), bilden keinen Schimmel und auch Nagetiere und Ungeziefer halten sich von der Hanf-Kalk-Mischung fern. Wie viele andere traditionelle Naturmaterialien wirkt Hanf auch positiv auf das Raumklima, durch den ionisierenden Effekt entzieht er der Luft Feinstaub, Pilze und Bakterien, reguliert Raumfeuchte und duftet nicht zuletzt angenehm. 

Als reines Naturmaterial ist Hanf nachwachsend und damit auch biologisch abbaubar im Sinne der aktuell viel gepriesenen Kreislaufwirtschaft. Als Ziegel eingesetzt im Holzbau punktet Hanf gegenüber einer reinen Massivholzbauweise, weil Hanf zur Produktion weniger Fläche verbrauche als die gleiche Menge an Holz, da es 50-mal schneller wachse, so rechnen die Anbieter vor. Auf einem Hektar würde in nur fünf Monaten demnach genug Hanf wachsen, um daraus ein Einfamilienhaus zu bestücken. Außerdem würde die Verwendung von Hanf sogar klimanegativ sein, da Hanf CO2 in hohem Maße speichert. Auch die Verarbeitung ist einfach: Vermauert werden können die Hanfkalksteine mit Isoliermauer- oder Kalk-Hanf-Mauermörtel. Grund und Feinputz müssen atmungsaktiv sein. Die sägbaren Hanfkalksteine können innen auch ohne Verputz direkt mit Kalkmilchfarbe oder Lehmfarbe gestrichen werden.

Wie viele andere traditionelle Naturmaterialien wirkt auch Hanf positiv auf das Raumklima. (Foto: Otra.be)

Andere Artikel in dieser Kategorie