Innovationsfabrik 2.0

Waechter + Waechter Architekten BDA
12. Mai 2021
Blick auf die Innovationsfabrik 2.0 in Heilbronn (Visualisierung: Waechter + Waechter)

Waechter + Waechter Architekten BDA mit merz kley partner gewinnen den Wettbewerb um die Innovationsfabrik 2.0 in Heilbronn. Prof. Felix Waechter stellt sich unseren Fragen zum Wettbewerb.

An einem sehr exponierten Standort in Heilbronn, zwischen WTZ-Turm und Neckaruferpark, soll als Ersatzneubau die Innovationsfabrik 2.0 in Heilbronn errichtet werden. Worin lag die Herausforderung der Aufgabenstellung?

Die Chance eine Innovationsfabrik liegt im gegenseitig befruchtenden Austausch der Beteiligten und in der Präsentation der Arbeit. Insofern suchten wir nach innen eine Typologie und eine Atmosphäre, die die Begegnung und den Austausch zwischen den Tüftlern der start ups fördert. Gleichzeitig ermöglicht die allseits gläserne transparente Anmutung, ohne Vor- und Rückseite, schaufensterartige Einblicke auf die Arbeit der GründerInnen.

Lageplan (Zeichnung: Waechter + Waechter)
Wie haben Sie auf den Kontext reagiert?

Die Innovationsfabrik bildet Auftakt und Abschluss am Neckaruferpark und zugleich ein harmonisches Ensemble mit dem Bestand. Das städtebauliche Konzept stärkend wird die Raumkante zum Neckar aufgenommen. Die Blickachse zum Wissensschafts- und Technologiezentrum wird freigehalten, so dass eine großzügige grüne Mitte im Dreiklang mit dem Hotel gebildet wird. Auch die Blickachse der Stichstraße bleibt frei – durch die gedrehte Kante entsteht ein angemessener Vorbereich vor dem im Ideenteil vorgeschlagenen Hochhaus (12 Geschosse), das mit dem WTZ-Turm im Dialog steht. Das IFH zitiert die Höhe des Hotels und öffnet sich hierhin mit einem Nebeneingang.

Halle (Visualisierung: Waechter + Waechter)
Wie organisieren Sie die Gebäude?

Helle, lichtdurchflutete Kommunikations- und Begegnungszonen rund um eine zentrale Halle, statt dunkler Flure laden die Tüftler der start ups, GründerInnen, CoworkerInnen und KreativarbeiterInnen, zum gegenseitigen Befruchten und Inspirieren ein. Diese offenen Zonen sind Think. Tanks und Lounges für das Arbeiten und den Austausch untereinander. 

Die Halle bildet den Mittelpunkt und ermöglicht eine einfache Orientierung. Alle Arbeitsplätze der unterschiedlich großen Räume liegen in den Obergeschossen kranzförmig rund um dieses gemeinschaftliche Herz, jeweils nach außen orientiert mit unterschiedlichen, aber jeweils attraktiven Ausblicken und damit optimal belichtet. Die Struktur ermöglicht vielfältigste Konzeptionen als offene Bürolandschaft, aber auch als Kombi- und Zellenbüro mit jeweils sehr guten Raumproportionen. 

Schnitt (Zeichnung: Waechter + Waechter)
Grundriss Erdgeschoss (Zeichnung: Waechter + Waechter)
Welches architektonische Thema war Ihnen besonders wichtig?

Die Transparenz nach innen und außen sowie die zentrische Typologie um eine gemeinsame Mitte sollen die Begegnung und die Kommunikation fördern; Typologie und die Anmutung bedingen sich insofern gegenseitig.

Innen und außen bestimmt die sachliche, unaufgeregte Einfachheit die Anmutung. Nach außen fügt sie sich selbstbewusst in den heterogenen Kontext ein und bringt den innovativen experimentellen start up - Charakter zum Ausdruck. Die ressourcenschonende Bauweise ist weithin sichtbar – auch das entspricht dem Leitbild und Selbstverständnis der Innovationsfabrik. Nach innen ist die Struktur ruhiger Hintergrund für die vielfältige Gedanken- und Ideenwelt der GründerInnen.


 

Grundriss Obergeschoss (Zeichnung: Waechter + Waechter)
Ansicht Eingang (Zeichnung: Waechter + Waechter)
Welche Besonderheiten hinsichtlich Konstruktion und Material zeichnen Ihren Vorschlag aus?

Charakteristisch, gestaltprägend ist die fachwerkartige Struktur der Fassadenstützen, die der Gebäudeaussteifung dient. 

Damit kann im Innern auf aussteifende Wände zugunsten einer maximalen Flexibilität verzichtet werden. 

Die Decken sind als Balkendecken mit Verbundbeton konzipiert. Die zwischen den Balken verlegten Holzwolle-Leichtbauplatten sind raumakustisch wirksam und dienen gleichzeitig als verlorene Schalung für den vor Ort eingebrachten Überbeton. Balken und Schalung werden im Werk in transportierbaren Größen als Elemente vorgefertigt. 

Gibt es schon einen geplanten Fertigstellungstermin?

Die Struktur und modulare Ordnung ermöglichen eine hohe Vorfertigung aller Bauteile. Insofern wird eine kurze Planungs- und Bauzeit angestrebt mit Fertigstellung in 2023.

Modell (Foto: Waechter + Waechter)
Innovationsfabrik 2.0 in Heilbronn
Mehrfachbeauftragung
 
Auslober
  • Stadtsiedlung Heilbronn GmbH, Stadt Heilbronn
Betreuung
  • kohler grohe architekten, Stuttgart
 
Jury
  • Prof. Zvonko Turkali, Frankfurt am Main (Vorsitzender) | Prof. Jörg Aldinger, Stuttgart | Prof. Dr.-Ing. Annette Rudolph-Cleff, Mannheim | Wilfried Hajek, Baubürgermeister, Heilbronn | Dr. Christoph Böhmer, Planungs- und Baurechtsamt, Heilbronn | Dominik Buchta, Stadtsiedlung Heilbronn | Bernd Billek, Stadtsiedlung Heilbronn | Wolf-Dieter Sprenger, Stadtsiedlung Heilbronn | Martin Diepgen, Bürgermeister Heilbronn

1. Preis
  • Waechter + Waechter Architekten BDA, Darmstadt | Prof. Felix Waechter · Sibylle Waechter | Mitarbeit: Patrick Schürmann, Carla Riechardt, Katharina Bell
  • Tragwerk: merz kley partner GmbH, Dornbirn (AT)
  • Brandschutz: BPKK Fire Safety Consultants, Düsseldorf
 
2. Preis
  • gabriele schneider architektur, Stuttgart | Mitarbeit: Ingo Pelchen
  • Tragwerk: Fischer+Friedrich Ing., Waiblingen
  • L.Arch.: Grüber Landschaftsarchitekten, Waiblingen
  • HLSE: Schreiber Ing., Ulm
  • Brandschutz: Kludt Brandschutzing, Stuttgart
 
3. Preis

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