Bäume am Horizont

SOWATORINI Landschaft
3. Februar 2021
Promenade (Visualisierung: SOWATORINI Landschaft)

Das Büro SOWATORINI Landschaft gewinnt den Wettbewerb um das freiraumplanerisches Gesamtkonzept für das Rurseeufer in Rurberg. Sebastian Sowa und Gianluca Torini stellen sich unseren Fragen zum Wettbewerb.

Rurberg als Ortsteil der Gemeinde Simmerath mit knapp 900 Einwohnern befindet sich am Rursee, direkt gegenüber des Nationalparks Eifel. Welche Bedeutung hat der Wettbewerb für die Gemeinde und die Region?

Schwer zu fassen, aber sicher kaum zu überschätzen. Wir können das nur aus der Perspektive derer beschreiben, die aus der Ferne versucht haben, diesen Ort zu verstehen. Die Größe und Qualität der Veränderung, die der Entwurf im Ortsbild haben wird, ist wirklich tiefgreifend. Ein großes Puzzlestück im Gesamtbild einer mutigen Weiterentwicklung der Eifel als Tourismusregion. Zu guter Letzt: Der Entwurf wird ein Teil des Alltags der Bewohner von Rurberg – diese Rolle muss der Raum überzeugend ausfüllen. 

Promenade, Lageplan (Visualisierung: SOWATORINI Landschaft)
In welchem Verhältnis stehen Dammkrone und Promenade?

Am Damm entscheidet sich diese Landschaft. Wir haben ja den besonderen Fall, das sich im Gemeindegebiet einer kleinen Ortschaft gleich zwei große Staudämme befinden. Die dritte große Staumauer, die den ortsbildprägenden Rursee in Schwammenauel aufstaut, befindet sich ja erst einige Kilometer entfernt. Diese drei Dämme ziehen in eine zerklüftete Landschaft ohne Horizonte, neue Horizonte. Diese Horizontalen teilen die Landschaft in eine Waldwelt und eine Wasserwelt. Also genau das, was diese Landschaft heute so prägt, weshalb sie, für Touristen wie Anwohner, so besonders ist. 

Horizont (Piktogramm: SOWATORINI Landschaft)

Die Promenade ist Teil der Waldwelt: Hier sehen wir einen freien Hain. Klimaresistente Waldbaumarten des gegenüberliegenden Nationalparks Eifel mischen sich mit den ortstypischen Kirschbäumen. Die Rurberger werden bis heute Kiescheflitscher genannt, die Kirschkernspucker. Im Hain kommen also die Baum-Identitäten dieser Landschaft zusammen und verbinden sich zu einer lockeren, lichten Hainatmosphäre. Frei gesetzte Stühle entwickeln diese Idee im Mobiliar weiter. Die Mastleuchten sind ebenfalls frei gesetzt. Mehrere Aufweitungen rhythmisieren die ca. einen Kilometer lange Promenade. Als Weitererzählung der baum-atmosphärischen Setzungen, besetzen markante Solitären die Anfangs – und Endpunkte der Promenade. 

Aber der Ausgangspunkt all dessen sind die Ingenieurbauwerke die quer zum Talverlauf in die Landschaft gebaut wurden. In unserem Planungsgebiet liegt mit dem Eiserbachdamm ein Bauwerk, das im rechten Winkel zum Talverlauf, als exakt gerade Linie, das Tal versperrt. Diese besondere Künstlichkeit wollen wir mit der artifiziellen Dammkrone herausarbeiten: Mit den Geländern, die auf die Schüttwinkel des Dammkörpers reagieren und mit dem glänzenden Metallband, das im Talraum als feine Linie die horizontale Trennlage zwischen Wasser - und Waldwelt sichtbar macht. 

Übersichtsplan (Zeichnung: SOWATORINI Landschaft)
Können Sie uns auf einen Spaziergang über das Gesamtprojekt mitnehmen als ob es schon fertiggestellt wäre?

Dann landen wir mit dem Segelboot an und nehmen eine der Treppen rauf zur Promenade. Hier kann man auf einem kleinen Balkon eine erste Übersicht über die Landschaft bekommen. Auf der anderen Uferseite ragt der wilde Kermeter auf, einer der wichtigsten Teilräume des Nationalparks Eifel. Wir spazieren durch den lichten Baumhain der Promenade, passieren die Spiellandschaft an der alten Linde und machen dann auf dem Augarten-Balkon eine kleine Pause. Der Balkon ragt vis a´vis des Überlaufs des Obersees in den Rursee in den Talraum hinein. Falls wir Gesprächspartner dabei haben, müssen wir hier deutlich lauter sprechen, denn das Rauschen des Überlaufs ist hier sehr intensiv zu hören. Am Eichentorplatz versorgen wir uns mit Kartenmaterial zum Nationalpark und gehen dann auf der Dammkrone rüber in den Nationalpark und beginnen eine Wanderung. Als wir uns nach einiger Zeit in Richtung der Ortschaft umdrehen, sehen wir das Metallband an der Dammkrone, als feine glänzende Linie im Talraum. Das wäre so ein Blick, den wir selber gerne nehmen würden. 

Eichentorplatz, Lageplan (Visualisierung: SOWATORINI Landschaft)
Welche landschaftsarchitektonischen Themen war Ihnen beim Gesamtkonzept für das Rurseeufer besonders wichtig?

Atmosphäre durch Bäume! Mit unterschiedlichen Baumarten, Baumdichten, Kronenansätzen und Typologien den heterogenen Gesamtraum zusammenzuziehen und dabei die umgebende Landschaft Teil dieses Gesamtkonzeptes werden zu lassen. Und wie gesagt: Gerade dadurch die baumlose Atmosphäre auf dem Damm zu isolieren. 

Damm (Visualisierung: SOWATORINI Landschaft)
Gibt es schon einen geplanten Fertigstellungstermin?

Nun, als sehr kleines Büro halten wir uns da mit Prognosen zurück. Wir hoffen im nächsten Jahr die Planung vorantreiben zu können und dann werden wir sehen, wann wir die ersten Bäume in die Erde bekommen. 

Freiraumplanerisches Gesamtkonzept für das Rurseeufer in Rurberg
Nichtoffener Wettbewerb
 
Auslober/Bauherr: Gemeinde Simmerath, Simmerath 
 
Jury
Prof. Andreas Fritzen, Vors. | Prof. Bernd Borghoff | Rebekka Junge | Christian Jürgensmann | Prof. Norbert Kloeters | Prof. Hartmut Welters | Prof. Rolf Egon Westerheide

1. Preis
Landschaftsarchitekt: SOWATORINI Landschaft GbR, Berlin, Bochum
 
2. Preis
Landschaftsarchitekt: GREENBOX Landschaftsarchitekten, Köln, Bielefeld, Stuttgart 
 
3. Preis
Landschaftsarchitekt: Planergruppe GmbH Oberhausen, Essen

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