Warnungen vor solarer Baupflicht

Manuel Pestalozzi
9. September 2021
Photovoltaikmodule auf Schrägdächern verändern Ortsbilder oft auf schmerzhafte Weise. Die Abbildung zeigt das Dorf Freiamt in Südbaden, in dem eine Netzintegration der volatilen, dezentralen Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien getestet wurde. (Foto: Netze BW)

In Baden-Württemberg rückt die solare Baupflicht näher. Manche sorgen sich um die Ortsbilder und befürchten ein ästhetisches Debakel. Sie plädieren für eine umsichtige Anwendung von Zwangsverordnungen.

Das aktuelle Klimaschutzgesetz von Baden-Württemberg schreibt vor, dass beim Neubau von Nichtwohngebäuden Photovoltaikanlagen zur Stromerzeugung installiert werden müssen. Von den Photovoltaik-Pflichten werden Bauvorhaben erfasst, deren Anträge auf Baugenehmigung ab dem 1. Januar 2022 bei der zuständigen Behörde eingehen. Das Umweltministerium erarbeitet derzeit eine Rechtsverordnung, die die Bestimmungen der Photovoltaik-Pflichten mit näheren Regelungen ergänzt. Demnach soll ab 1. Mai 2022 die solare Baupflicht dann auch für Wohngebäude Anwendung finden. Diese Entwicklung macht manchen Sorgen.

In einem Artikel lassen die Badischen Neuesten Nachrichten (BNN)Fachleute zu Wort kommen, die der solaren Baupflicht kritisch gegenüberstehen. Sie befürchten einen allgemeinen und alternativlosen Zwang – wo doch schon heute manche Ortsbilder unter den Photovoltaik-Nachrüstungen leiden. Markus Neppl, Professor für Stadtquartiersplanung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) spricht von „slapstickartigen Erscheinungsbildern“ und warnt vor einer „undifferenzierten Solarpflicht“.

Dort, wo Solarzellen die Gesamterscheinung eines Bauwerks, einer Stadt oder einer Landschaft beeinträchtigen, sollten sie unbedingt vermieden werden, meint auch Peter Stephan, Offenburger und Professor für Architekturtheorie an der Fachhochschule Potsdam. „Im historischen Kontext gehören sie sogar verboten,“ fügt er an. Auch Urban Knapp, Vorsitzender der Kreisgruppe Baden-Baden/Rastatt/Ortenaukreis des BDA, stört vor allem die undifferenzierte Gewichtung der Photovoltaik als „Lösung“ zur Abwendung einer Klimakatastrophe. „Wir müssen alternative Energien nutzen, aber eben nicht nur Solar“, fordert er. „Eine solch undifferenzierte Maßnahme wird den Stadtbildern und der Landschaft nichts Gutes tun. In Baden-Baden können wir das Weltkulturerbe dann gleich vergessen.“

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