Rosa-Rot

Ulf Meyer
6. Juli 2021
Die Stiftung hat ihren Sitz zwischen Ostbahnhof und Postbahnhof (Foto: Philipp Obkircher, Berlin)

Die Partei „Die Linke“ hat für ihre Stiftung im ehemaligen Arbeiterbezirk Friedrichshain einen neuen Sitz nach Entwurf der Berliner Architekten Kim Nalleweg / César Trujillo Moya bauen lassen. Im Neubauprojekt der Stiftung nutzen die Entwerfer recht plakativ Symbole, um die Verbundenheit mit seinem politischen Milieu auch gestalterisch zu demonstrieren.

Der Neubau der Stiftung an der Straße der Pariser Kommune ist knallrot und – sieht fast aus wie ein Plattenbau. Allerdings wartet das Mini-Scheibenhochhaus in einem Geschoss mit außenliegenden X-förmigen Stützen auf, die dem sonst banalen Gebäude einen Moment der Irritation und des Surrealismus geben. Denn nicht wie bei Fazlur Khans Hancock-Tower in Chicago oder zuletzt dem taz-Gebäude in Berlin soll das aussteifende diagonale Strebenwerk die Tatsache verbildlichen, dass moderne Skelettbauten inhärent instabil sind. Im Falle der Rosa-Luxemburg-Stiftung sind die Diagonalen kein tektonischer Ausdruck, sondern wirken wie appliziert. Dieses Tragwerk hat mit dem Rest des Gebäudes gestalterisch nichts zu tun, denn das wirkt wie ein schlichter 1970er-Jahre-Bau mit Bandfenstern mit roten Alurahmen. Rot findet man an den Ziegelfassaden und auch im Bodenbelag in allen öffentlichen Bereichen – lediglich in den Büros wurden dunkle Teppiche verlegt. 

Das neungeschossige Haus hat einen breiten Sockel mit Konferenzräumen, die miteinander verbunden werden können. Darüber liegen die Standard-Bürogeschosse – den Sichtbeton-Oberflächen und weißen Kalksandstein-Wänden werden nur von den Innenseiten der Fensterrahmen aus hellem Nadelholz ein wenig Leben eingehaucht. Im ersten Obergeschoss befinden sich die Bibliothek und weitere Seminarräume. Von hier aus sind die beiden schmalen Dachterrassen zu erreichen. Sie liegen auf Höhe der Gleise des benachbarten Ost-Bahnhofs. Neben dem Rot überbringt laut den Architekten auch die Wahl des Baumaterials Ziegel eine Botschaft, denn sie verweist auf die Bedeutung des Materials, das nur durch seinen Zusammenhalt im Verband Kraft und Dauerhaftigkeit gewinnt.

Bibliothek (Foto: Philipp Obkircher, Berlin)
Die Details der Fassade wirken unverbunden Foto: Philipp Obkircher, Berlin
Veranstaltungssaal (Foto: Philipp Obkircher, Berlin)

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