Rolf Disch will es nochmals wissen

Manuel Pestalozzi
19. April 2021
Die Plusenergie-Siedlung bildet eine verwinkelte Zeile. (Visualisierung: Freidimension)

Der Architekt und Solarpionier Rolf Disch baut in Schallstadt ein Quartier aus Plusenergie-Klimahäusern. Er tritt auch als Investor auf. Beim Konzept rücken der Quartiergedanke und der Eigenverbrauch in den Fokus.

Der 77jährige Rolf Disch ist unter anderem Architekt der im Freiburger Stadtteil Vauban gelegenen Solarsiedlung und des Heliotrops. Nun plant er als Architekt und Bauherr in Schallstadt, fünf Kilometer südlich von Freiburg im Breisgau, ein Quartier aus Plusenergie-Klimahäusern. Photovoltaik und an ein kaltes Nahwärmenetz angeschlossene Wärmepumpen bilden das Rückgrat des Energiekonzeptes für die Gebäude. Sie sollen dem Standard KfW-40-plus entsprechen, wie https www.solarserver.de berichtet.

Kaltes Nahwärmenetz, Carsharing

Die Gebäudezeile von etwa 115 m Länge ist in vier Einzelhäuser unterteilt – mit 83 Wohneinheiten, vier Ladengeschäften und insgesamt 7.200 Quadratmeter Wohn- und Nutzfläche. Sie ist aktuell im Bau und bildet den Abschluss einer Wohnzone zu einem Gewerbegebiet hin. 

Den mit Förderungsansprüchen verbundenen KfW-40-plus-Standard erreicht das Projekt mit einer entsprechender Dämmung, der passiven Nutzung der Sonnenenergie über die hochwertigen Fenster und (wohnungsweise dezentraler) Lüftung mit Wärmerückgewinnung. Großflächige Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern, Module an den Balkonbrüstungen sowie als Überdachung der Tiefgarageneinfahrt sollen 470 kW Leistung erbringen. Rechnerisch lässt sich damit der komplette Energiebedarf der Klimahäuser abdecken: Strom, Raumheizung, Warmwasser und Elektromobilität.

Der generierte Strom soll auch, wenn immer möglich, vor Ort konsumiert werden; Ein Stromspeicher puffert tagsüber Stromüberschüsse ab, die die Bewohner*innen abends verbrauchen können. Lediglich ein Rest wird noch ins Netz eingespeist. Der stationäre Speicher hat zunächst etwa 120 kWh Speicherkapazität. Man kann ihn bei Bedarf mit weiteren stationären Batterien erweitern. Als Speicher bieten sich potenziell die mobilen Speicherkapazitäten der Elektrofahrzeuge an, dafür muss allerdings das bidirektionale Laden (V2G) massentauglich werden.

Ein weiteres Indiz für die stärkere Vergemeinschaftung und die Vernetzung der Energieeffizienz ist das lokale Nahwärmenetz, welche die Überbauung nutzt. Die Idee dahinter: Es entzieht die Wärme einem das Neubaugebiet kreuzenden großen Abwasserkanal. Man könne im Sommer wie im Winter in der Nahwärmeleitung mit 15 bis 17 Grad Celsius rechnen, heißt es. Das gilt als eine gute Ausgangstemperatur für die Wärmepumpen in den Einzelgebäuden. Da in den Klimahäusern eine Flächenheizung zum Einsatz kommt, reicht eine relativ niedrige Vorlauftemperatur aus. Voraussetzung für die Nutzung eines Kalten Nahwärmenetzes ist eine gute Gebäudedämmung. 

Die Tiefgarage mit 36 Stellplätzen bleibt allein Elektromobilen vorbehalten. Vier Stellplätze sind für Elektro-Carsharing vorgesehen. Beim Verkauf der Wohnungen, der zu 90 Prozent abgeschlossen ist, hat sich erwiesen, dass zu viele Stellplätze bereitgestellt wurden. Die Wohnungskäufer*innen waren sehr wohl bereit, sich auf das Mobilitätsangebot einzulassen, auch darauf, dass die Mitgliedschaft im Car-Sharing hier verpflichtend ist. Im Sommer 2022 sollen die Plusenergie-Klimahäuser fertiggestellt sein.

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