Massiv aufgestockt

Carsten Sauerbrei
28. August 2017
Das markante Volumen des neuen Wohngeschosses in Massivbauweise übernimmt die bestehende Gebäudekontur. (Bild: Knoche Architekten)

Knoche Architekten ergänzten ein historisches Leipziger Fabrikgebäude um ein Geschoss mit zwei Wohneinheiten. Die im Mai fertiggestellte Aufstockung in Massivbauweise nimmt Bezug auf den Bestand und setzt dennoch eigene, markante Gestaltungsakzente.

Neuen Wohnraum durch Aufstockung bestehender Gebäude zu schaffen, ist ein viel diskutiertes Thema. Beispiele für solche, gelungenen Ergänzungen gibt es immer noch zu wenige. Die Aufstockung einer historischen Leipziger Celluloid-Fabrik durch das Büro Knoche Architekten - die im Bestandsgebäude auch ihr Büro betreiben - ist ein gutes Beispiel für eine eigenständige und dennoch behutsame Ergänzung eines denkmalgeschützten, ehemaligen Industriegebäudes der Gründerzeit.

Die reliefierte Putzfassade der Aufstockung interpretiert die Bänderung der historischen Ziegelfassade neu. (Bild: Knoche Architekten)

Den historischen 2 1/2-geschossigen Massivbau mit Ziegelfassade sanierten Knoche Architekten und ergänzten die einstige Fabrik um ein ebenfalls als massive Konstruktion mit Ziegelmontagedecken und Mauerwerkswänden ausgeführtes Geschoss mit zwei Wohneinheiten. Damit entstand eine neue, markante Kubatur aus Bestand und neuem Volumen, das die bestehende Gebäudekontur ohne Rücksprung übernimmt und mit seinen horizontal reliefierten Putzfassaden die Bänderung der historischen Ziegelfassade neu und eigenständig formuliert.

Eine neue, minimalistisch skulpturale Stahlkonstruktion ersetzt das historische Holztreppenhaus. (Bild: Knoche Architekten)

Die Fenster des neuen Wohngeschosses positionierten Knoche Architekten in einer freien, unregelmäßigen Anordnung, jedoch abermals mit Bezug zum Bestand, in diesem Fall den vertikalen Kanten der historischen Fenster. Da die Architekten auf Vorsprünge oder Balkone aus Rücksicht auf den historischen Baukörper verzichteten, erhielt die kleinere der beiden Wohnungen eine eingeschnittene Loggia und die größere einen Patio als private Freiräume. Nur der hofseitige Vorbau der einstigen Fabrik dient als Basis für einen Austritt vor die neue Fassade.

Die Innenräume prägt das Material Holz und introvertierte, private Freiräume. (Bild: Knoche Architekten)

Im Zuge der Sanierung ersetzten Knoche Architekten ein bestehendes Holztreppenhaus durch eine minimalistisch skulpturale Stahlkonstruktion, die gut zur markanten Aufstockung passt. Die Wohnräume erhielten dagegen mit Holzfenstern, dem hölzern ausgekleideten Patio und ebenfalls hölzernen Einbauten eine warm und wohnlich wirkende Gestaltung, die die kühle Formensprache des Äußeren attraktiv ergänzt. Leider wird auch in Zukunft nicht jede Gebäudeaufstockung in Deutschland in dieser Qualität erfolgen können, aber ein paar mehr davon dürfen es nach Geschmack des Autors ruhig sein.

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