Erweiterung des Dokumentationszentrums auf dem Reichsparteitagsgelände

Manuel Pestalozzi
17. Mai 2022
Die dekonstruktivistische Intervention von Günter Domenig für das Dokumentationszentrum von 2001 ist in der rechten äußeren Ecke der Kongresshalle zu erkennen. Zwei Jahr später wurde auf ihrem Dach eine Photovoltaikanlage mit 295 kWp installiert. (Foto: Nicohofmann / Wikimedia Commons)

Sie ist riesig, die unvollendete Kongresshalle auf dem Reichsparteitagsgelände der Nationalsozialisten in Nürnberg. Jetzt wird sie mit der Erweiterung des Dokumentationszentrums mit mehr Inhalt versehen. Anfang Mai fand die Feier zum Abschluss der Rohbauarbeiten statt.

Der Umgang mit der Bausubstanz aus der Zeit des Nationalsozialismus ist wohl an wenigen Orten schwieriger als in Nürnberg. Das Dokumentationszentrum in der gigantischen Kongresshalle ist ein Versuch, damit zurechtzukommen. Vor 21 Jahren wurde dafür die Intervention des österreichischen Architekten Günther Domenig (1934–2012) fertiggestellt. Es handelt sich um ein Werk des Dekonstruktivismus, der um die Jahrhundertwende die Architekturwelt beschäftigte und der hier eine angemessene, interessante Antwort auf die eigentlich unmögliche Aufgabenstellung im gigantischen, nutzlosen Bestand geben konnte. Domenig trieb einen mit Glas umhüllten „Pfahl“ schräg durch die Baumasse des Nordflügels.

In solchen Fällen ist die architektonische Intervention oft eindrücklicher als die aufbereiteten Inhalte, welche sie begleiten und denen es oft nicht gelingt, dieser zu entsprechen. Wie dem auch sei: Das Dokumentationszentrum ist ein Publikumserfolg. Aus dem Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen heißt es, es zähle „zu den attraktiven und besucherstarken historischen Lernorten Europas“. Die Zahlen der Besucher*innen übersteigen regelmäßig die Erwartungen. Deshalb wird das Zentrum nun erweitert – an Platz mangelt es ja nicht. Seit 2017 arbeitet man an der Erweiterung des Lern- und Veranstaltungsbereichs, der Einrichtung von Funktionsflächen für wissenschaftliches Arbeiten sowie der Ertüchtigung und Erweiterung der Ausstellungsflächen und des allgemeinen Besucherbereichs. Die Maßnahmen werden unter besonderer Berücksichtigung von Barrierefreiheit durchgeführt.

Die Kosten für die Gesamtmaßnahme belaufen sich derzeit auf rund 25,7 Millionen Euro. Diese Summe umfasst die Umbaumaßnahme, die Interimsmaßnahme sowie die erwähnten zusätzlichen Instandsetzungsmaßnahmen. Das Gesamtprojekt wird gefördert: das Förderprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ des Bundes gibt sieben Millionen Euro, das Land stellt Sondermittel des Kultusministeriums in Höhe von drei Millionen Euro, die Städtebauförderung beteiligt sich mit einer Million Euro. Für die Architektur der Erweiterung ist das Büro Fritsch Knodt Klug + Partner Architekten aus Nürnberg zuständig. Der „Autor“ des Dokumentationszentrums bleibt den Pressemitteilungen nach zu schließen aber Günter Domenig – auch wenn Fotos des „Tags der offenen Baustelle“ eher den Eindruck vermitteln, dass sein Werk im wahrsten Sinne des Wortes unterwandert wird. Am 3. Mai 2022 fand in Anwesenheit von Oberbürgermeister Marcus König, Bürgermeisterin Prof. Dr. Julia Lehner und Planungs- und Baureferent Daniel F. Ulrich die Feier zum Abschluss der Rohbauarbeiten statt. Die Stadt Nürnberg rechnet mit der Eröffnung für Besucher*innen im Jahr 2024. Am Sonntag, 22. Mai 2022, ist im Rahmen des 17. BDA-Tages eine Baustellenführung mit Joachim Helfert von Fritsch Knodt Klug + Partner geplant.

Die Überlagerung der Architektur von Ludwig und Franz Ruff mit jener von Günther Domenig wird weiterhin das äußere Erscheinungsbild des Dokumentationszentrums prägen und das Erlebnis des befrachteten Ortes symbolisieren. (Foto: Ralf Roletschek / www.fahrradmonteur.de / Wikimedia Commons)

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