Kunst im erweiterten Getreidespeicher

Manuel Pestalozzi
24. de setembre 2021
Harmonie an Duisburgs Innenhafen: Der neue Sichtbacksteinbau und der über 100 Jahre ältere Getreidespeicher fassen die Siloröhren von 1934 ein. (Foto: © Simon Menges)

Am 25. September war es in Duisburg so weit: Der Erweiterungsbau des MKM Museum Küppersmühle von Herzog & de Meuron öffnete seine Türen. Auf zusätzlichen 2.500 Quadratmetern ist seither deutsche und europäische Nachkriegskunst zu bestaunen.

Duisburgs Innenhafen wurde einst wegen den vielen Getreidesilos als „Brotkorb des Ruhrgebietes“ bezeichnet. In ihm stand auch die Küppersmühle mit ihrem Backsteinbauten aus den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts und den 1934 entstandenen Stahl-Siloröhren. Ihren Namen erhielt die Anlage erst 1969 durch eine Fusion – knapp drei Jahre, bevor sie stillgelegt wurde. Eine Bürgerinitiative sorgte für ihren Erhalt. Das MAK wurde 27 Jahre später eröffnet, nach dem Umbau eines einstigen Getreidespeichers durch die Basler Architekten Herzog & de Meuron.

Den hellen, nüchternen Oberflächen wird die skulpturale Unterstruktur der Stahlsilos gegenübergestellt. (Foto: © Simon Menges) 

Die nun eingeweihte Erweiterung hat einen dornenvollen Entstehungsweg hinter sich. 2008 entschied sich der Betreiber, einen entsprechenden Auftrag erneut Herzog & de Meuron zu übertragen. Ihr Konzept ähnelte jenem der Elbphilharmonie in Hamburg: Ein leichter, leuchtender Quader sollte den Stahlsilos aufgesetzt werden. Ab 2009 wurde das Projekt realisiert. Im Juni 2011 wurde ein Baustopp für den Erweiterungsbau verhängt, da das Stahlgerüst des Erweiterungsquaders mit erheblichen Baumängeln hergestellt wurde. Die verantwortlichen Bauunternehmen sind insolvent, die Stahlkonstruktion ein Totalschaden, kann man über das traurige Ende dieses Projekt bei Wikipedia erfahren.

Die Stahlsilos werden Teil des Innenraums. (Foto: © Simon Menges) 

Nachdem der Schock verarbeitet war, wurde ein zweiter Anlauf unternommen: Mit der Gründung der privaten MKM-Stiftung durch das Sammlerpaar Sylvia und Ulrich Ströher wurden 2014 die Voraussetzungen geschaffen, unter denen dem Basler Architektenbüro ein weiterer Auftrag zur Planung eines Erweiterungsbaus erteilt werden konnte. Die Basler lieferten – dieses Mal ein weniger gewagtes Projekt, das sich zahm in die Umgebung eingliedert.

Brücken durch die Silogruppe verbinden die Erweiterung mit dem Ursprungsbau. (Foto: © Simon Menges)

Drei unterschiedlich hohe Baukörper schreiben nun den vorhandenen Museumsbau fort und fügen sich zu einem neuen Kopfbau, der die gesamte Gebäudezeile am Hafenbecken harmonisch abschließt und mit dem Ursprungsbau die Siloröhren einfasst. Der Neubau mit seiner markanten roten Backsteinfassade grenzt an einen Platz mit 35 neu gepflanzten Platanen. Im Inneren lässt eine Abfolge von 36 hellen, klar strukturierten Sammlungsräumen der Kunst viel Raum zum Wirken. Die Stahlsilos sind in das Ensemble integriert; durch sie schaffen Brücken im 1. und 2. Obergeschoss die Verbindung zwischen den neuen und den bereits existierenden Räumen. Eine Plattform auf den Silos, die je nach Jahreszeit und Witterungslage begehbar ist, bietet einen weiten Blick über das Ruhrgebiet.

In der spitzwinkligen Gebäudeecke der Platzfassade wurde eine sehr „erdig“ wirkende, skulpturale Treppenanlage erstellt. (Foto: © Simon Menges)

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