Nachhaltigkeit als Teamwork

bez+kock architekten
25. de maig 2022
Die vier Innenhöfe sind als Spielhöfe oder innen liegende Schilfgärten konzipiert. (Foto: Marcus Ebener)
Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Für uns lag das Besondere vor allem darin, dass es der erste – aber wie wir mittlerweile mit Sicherheit sagen können, nicht der letzte – Holzbau war, den wir realisiert haben.

Blick von Südosten auf das 112 Meter lange Schulgebäude (Foto: Marcus Ebener)
Blick von Süden auf die offene Eingangszone, die als Willkommensgeste, gedeckter Pausenbereich, Kommunikationsfläche und zur Erschließung der Lerncluster dient. (Foto: Marcus Ebener)
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?

Für die Typologie ist es sicher der Wunsch, ein vergleichsweise großes Gebäude in klare und überschaubare Einheiten zu gliedern ohne es zerfallen zu lassen. Darüber hinaus hat uns, wie bei den meisten unserer Projekte, das Verhältnis von Innen und Außen sehr interessiert – zum Beispiel differenzierte Übergänge, Freiräume im Gebäudeinneren und nutzbare Dächer. Gestalterisch schließlich war es die Fragestellung, wie sich Holz für uns „anfühlt“ und was daraus entstehen kann, unter Berücksichtigung von Materialgerechtigkeit, Authentizität und Proportion.

Detailansicht eines Innenhofs (Foto: Marcus Ebener)
Die Innenhöfe ermöglichen eine leichte Orientierung im Haus und eine eindeutige Adressbildung der einzelnen Cluster. (Foto: Marcus Ebener)
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?

Da der Ort sowohl kulturell als auch topografisch, städtebaulich und historisch eher beliebig ist, war die Reaktion darauf eher eine Aktion, nämlich der Versuch, an diesem Ort Qualität aus sich heraus zu schaffen.

Raumhohe Verglasungen stärken die Beziehung zu den Innenhöfen (Foto: Marcus Ebener)
Foyerbereich an der „Schulstraße“ im Erdgeschoss (Foto: Marcus Ebener)
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?

Beispielhaft war bei diesem Projekt, dass die Qualitäten des Entwurfes von allen Beteiligten erkannt, mitgetragen und gefördert wurden Die Einflussnahme der NutzerInnen konzentrierte sich insofern im Wesentlichen auf funktionale Optimierungen, die jedoch zumeist in Varianten diskutiert und auf das Entwurfsziel hin abgestimmt werden konnten.

Foyerbereich an der „Schulstraße“ im Erdgeschoss (Foto: Marcus Ebener)
Das Aquarium im Erdgeschoss der Schule (Foto: Marcus Ebener)
Wie hat sich das Projekt vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk verändert?

Neben den beschriebenen Optimierungen gab es den Wunsch, in der Schule auch eine kleine Aula zu integrieren. Dies konnte durch die „Überbauung“ eines Innenhofes innerhalb des bestehenden Konzeptes umgesetzt werden. Ansonsten entspricht das realisierte Projekt weitgehend dem Wettbewerbsentwurf.

Eine der Clustermitten mit den hierfür entworfenen, flexibel nutzbaren Holzmöbeln (Foto: Marcus Ebener)
Detailansicht aus dem Obergeschoss der Schule mit raumhohen Verglasungen zum Innenhof (Foto: Marcus Ebener)
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?

Um eine aktive Auseinandersetzung mit dem Thema Nachhaltigkeit kommen wir als Architekten nicht mehr umhin. Insofern hat diese Diskussion das Projekt sehr stark beeinflusst. Das beginnt bei der Materialwahl für Konstruktion und Fassade und geht weiter über die Bezugsquellen des Materials – Holz aus dem eigenen Wald des Bauherrn – oder die Beheizung des Gebäudes mit Biogas vom nachbarlichen Bauernhof. Es ist uns aber auch an diesem Projekt klar geworden, dass Nachhaltigkeit in vielen Teilen nur umgesetzt werden kann, wenn der Auftraggeber das mitträgt, oder dabei gar voran geht. Noch entscheidender aber ist, dass sich bei allen Beteiligten ein ähnliches Verständnis von „Nachhaltigkeit“ einstellt und diese sowohl von eventuellem, modischem Beiwerk befreit als auch nicht nur auf die „technischen“ Aspekte reduziert wird.

Detailansicht der Südfassade aus Lärchenholz, das im eigenen Forstbetrieb des Bauherrn geschlagen wurde. (Foto: Marcus Ebener)
Detailansicht von Süden mit der offenen Eingangszone im Erdgeschoss (Foto: Marcus Ebener)
Lageplan: bez+kock architekten
Grundriss Erdgeschoss: bez+kock architekten
Längsschnitt: bez+kock architekten
IGS Integrierte Gesamtschule
2021
Paul-Erdniß-Straße 1
31737 Rinteln

Auftragsart
Wettbewerb
 
Bauherrschaft
Landkreis Schaumburg, vertr. durch Thomas Kreimeyer, Stadthagen
 
Architektur
bez+kock architekten bda Generalplaner GmbH, Stuttgart
Martin Bez, Thorsten Kock
Projektteam: Marc Nuding (PL), Heiko Grimm, Benjamin Beilharz, Erik Bossog, Hannes Hössel
 
Fachplaner
Projektsteuerung: pmd Gesellschaft für Projektmanagement, Düsseldorf
Tragwerksplanung: Wetzel und von Seht GbR, Hamburg
HLS-Planung: Reich und Hölscher Ingenieurbüro, Bielefeld
Elektroplanung: Ingenieurbüro Schröder und Partner, Bielefeld
Bauphysik: ISRW Dr.-Ing. Klapdor GmbH, Bielefeld
Landschaftsplanung: Büro für Freiraumplanung Christine Früh, Hannover
 
Örtliche Bauleitung
Ernst² Architekten AG, Hannover
 
Hersteller / Ausführende Firmen
Brettsperrholzwände: Binderholz Bausysteme / ausgeführt durch Grossmann Bau GmbH Rosenheim 
Betonfertigteilsockel: Betont GmbH / ausgeführt durch Grossmann Bau GmbH Rosenheim
Holzschalung-Fassade: Holz vom Kreisforstamt Spießingshol (Landkreis Schaumburg) / gesägt durch Sägewerk Scharnhorst (Neustadt am Rübenberge) / eingebaut durch Grossmann Bau GmbH Rosenheim
Alufassade und -fenster: Schüco / ausgeführt von Fricke Metallbau Nienstädt
Sonnenschutz: Warema / ausgeführt von Fricke Metallbau Nienstädt
Dachabdichtung: Sika / ausgeführt durch Pieper Bedachungen GmbH Nienburg
Betonwerkstein: Marmi Scala / ausgeführt durch Stone West GmbH Barsinghausen
Kautschukboden: nora norament / ausgeführt durch Holschbach GmbH Morsbach
HWL-Decken: Troldtekt Ultrafein / ausgeführt durch Käfer Construction GmbH Hannover
Brandschutztüren Schulstraße: Hoba / ausgeführt durch Käfer Construction GmbH Hannover
Brandschutztüren Flure: Jansen / ausgeführt von Fricke Metallbau Nienstädt
Innentüren: Neuform / ausgeführt durch Hüther GmbH Hedemünden
 
Bruttogeschossfläche
9.315 m²
 
Gebäudevolumen
35.000 m³
 
Gesamtkosten KG 200-700
ca. 24.000.000 € 
 
Auszeichnung
Ausgewählt zum Tag der Architektur 2022 der Architektenkammer Niedersachsen
 
Fotos
Marcus Ebener, Berlin

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